Briefwechsel

Alltag für alle: Auch Künstler sind nur Menschen

Es ist nicht besonders originell, über die moderne, flüchtige, flink gelöschte E-Mail-Kommunikation zu klagen.

Doch man kann schnell Mitglied im Klagechor werden, liest man die nun erstmals gesammelt veröffentlichte Korrespondenz zwischen den Künstlern Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und dem Sturm-Herausgeber und Galeristen Herwarth Walden. Zwar hatten die drei nur zwischen März 1912 und September 1914 miteinander so intensiv zu tun, dass sie sich Briefe schrieben, doch diese Phase gehörte zu den fruchtbarsten und intensivsten im Leben der Drei. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs enden Zusammenarbeit und Briefwechsel.

Dass sich Kandinskys Briefe und Karten überhaupt erhalten haben, liegt nicht nur an der Papierform, sondern an Herwarth Waldens notorischer Geldnot. Walden musste Kandinskys und Münters Briefe 1926 an die Preußische Staatsbibliothek in Berlin verkaufen. Waldens Briefe an das Künstlerpaar bewahrte Gabriele Münter dagegen jahrzehntelang auf und schenkte sie nach dem Krieg der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München.

Welch ein Glück - wenn auch erst auf den zweiten Blick. Denn oberflächlich betrachtet ist die Korrespondenz sehr alltäglich, voller praktischer Absprachen zu Treffen, Ausstellungsorten, Katalogdesigns. Das ist oft banal und nur an wenigen Stellen geht es um Fragen der Kunst. Doch gerade die Alltäglichkeit der Probleme, die Preisberatungen, Korrekturhinweise für Druckfahnen und Klagen über schlecht verpackte, beschädigte Gemälde geben einen authentischen Einblick in das Leben und Arbeiten von Künstler und Galerist. Eines jedenfalls zeigt dieser Briefwechsel deutlich: Auch Künstler sind nur Menschen.

Karla Benteli: Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Herwarth Walden: Briefe und Schriften 1912 - 1914, Benteli, 17,50 Euro