Theater

Ein Eisvogel mit braunen Streifen im Gefieder

Stefan Otteni inszeniert Tellkamp-Roman in Potsdam

Uwe Tellkamp wurde mit diesem Roman bekannt: Als „Der Eisvogel“ 2005 erschien, „herrenmenschelte“ es in einigen Feuilletons, rechtsintellektuelles Gedankengut wurde diagnostiziert. Doch Tellkamp erzählt im „Eisvogel“ auch die packende Geschichte eine Vater-Sohn-Konflikts: Wiggo Ritter, ein gedankenschneller junger Mann und Doktor der Philosophie, will so gar nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten. Der erfolgreiche Bänker, dessen Geliebte ungefähr so alt sind wie der Sohn, macht seine Geschäfte in der Uraufführung am Potsdamer Hans Otto Theater zwischen zwei Sätzen beim Tennis, auch für familiäre Angelegenheiten bleibt da noch ein kleines Zeitfenster. Dem Sohn schanzt Stefan Ritter gönnerhaft seine Assistentin (ehrgeizig-kokett: Elzemarieke de Vos) zu, denn auch auf sexueller Ebene glaubt er Defizite bei seinem Kind auszumachen.

Der Deal fliegt natürlich auf und sorgt für ein weiteres Abdriften des Sohnes: Der lässt sich von Mauritz Kaltmeister, den Wolfgang Vogler als smarten und kühlen Seelenfänger spielt, in den Bann ziehen. Kaltmeister, unter dem eleganten schwarzen Anzug lug die Pistole hervor, hält die Demokratie für verrottet, seiner Untergrundorganisation „Wiedergeburt“ schwebt ein anderes Gesellschaftsmodell vor. Und Philosophen, das wissen wir seit Goethes „Faust“, lassen sich gern von Tatmenschen faszinieren. Ein vielversprechendes Debüt von Schauspieler Alexander Finkenwirth, der seinen Wiggo vielschichtig anlegt.

Ute Scharfenberg hat eine überzeugende Spielfassung aus dem Roman destilliert. Sie bleibt nah an der Vorlage, auch beim pathetischen Ton. Regisseur Stefan Otteni erzählt die Geschichte (wie im Buch) von ihrem Ende her: Ein Mann, eine Waffe, ein Schuss in einer Fabrikhalle zwischen Berlin und Potsdam. Otteni flieht nicht in die an vielen Bühnen beliebte Ironisierung, nur in der Szene mit den Gönnern der „Wiedergeburt“ lässt er Rita Feldmeier die Karikatur einer im Gestern verhafteten reichen Witwe spielen – und seine Bühnen- und Kostümbildnerin Anne Neuser darf auftischen: Ausgestopfte Bären und Adler bevölkern den Saal, die herrschaftlichen Stühle sind tierisch verziert. Ein spannender Abend, der Diskussionen provoziert.

Hans Otto Theater Potsdam, Schiffbauergasse 11. Karten: 0331-98118. Termine: 19. Oktober; 10. November.