Musik

Ein wunderbarer Beethoven - wie aus dem Lehrbuch

Bernard Haitink begeistert in der Philharmonie

Die Dreizehn ist, jeder weiß es, auch eine Glückszahl. Für dreizehn Musiker hat Richard Wagner denn auch 1870 das Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk für die geliebte Frau Cosima geschrieben: das „Siegfried-Idylll“, das er in seiner schweizerischen Villa in Tribschen vor ihrer Zimmertür uraufführen ließ. Zwanzig Minuten lang klingt Seligkeit herauf, Dankbarkeit, Liebe, Respekt. Es ist eine Musik, die vom Herzen kommt. Nämlich dem Wagners. Das „Siegfried-Idyll“ zeichnet Takt für Takt ein ergreifendes Liebes-Porträt. In der Philharmonie ließ es der 83-jährige Bernard Haitink zu Beginn seines denkwürdigen Konzerts mit den Philharmonikern aufklingen. Er beschloss es mit einer herausfordernden Darstellung von Beethovens 3. Sinfonie, der „Eroica“. Er drosch nicht wie mit einem wild gewordenen Taktstock auf sie nieder, wie um den Heroismus ihres ersten Satzes hervorzupeitschen. Er baute ihn umsichtig und einfühlsam auf: ein Beethoven wie aus dem Lehrbuch des Dirigierens, frei von musikpädagogischer Eigenbrödelei. Haitinks „Eroica“ wirkte, als habe er ihr, hoch konzentriert, freien Auslauf gegeben. Die Philharmoniker, wie auch das jubelnde Publikum, nahmen sie wie ein einzigartiges Geschenk in Empfang.

Vorausgeschickt hatte Haitink zum Gedenken des 200. Geburtstages von Richard Wagner ein weiteres Kammermusikwerk des Meisters, wenn es auch nicht, wie es im Konzertsaal erklang, aus der Feder des Meisters geflossen war. Wagner hatte die Instrumentalisierung seiner Klavier-Lieder auf Gedichte seiner geliebten Mathilde Wesendonck an den Dirigentenfreund Felix Mottl weitergereicht und hieß ihn, vier davon für Orchester bearbeiten. Haitink entschied sich im Konzert für die großstimmige, Bayreuth erprobte japanische Mezzosopranistin Mihoko Fujimura. Sie formte mit schmerzdurchfurchtem Gesang ergreifende kleine Trauerspiele nach Noten.