Kunst

Der König, der munter auf dem Papier tanzte

Illustrator Olaf Hajek mit einer Schau und einem Buch

Was hat das zu bedeuten, wenn ein buntes Papierboot einsam auf einem schwarzen See treibt? Und soll der Kerl auf dem Bild daneben mit seiner bläulichen Haut ein Gespenst sein? All diese Fragen könnte Olaf Hajek beantworten, denn er ist es, der mit seinen Acrylfarben diese surrealen Werke geschaffen hat. „The king has lost his crown“ heißt die Serie von acht Gemälden, die lässig an der Wand im Atelier des Illustrators lehnen. Daneben sitzt der Meister selbst, Hajek in Jeans und Pulli, an einem der beiden Schreibtische, und trinkt seinen Kaffee.

Im Studio an der Schröderstraße Mitte, das er sich mit einem anderen Illustrator teilt, sieht es nach Arbeit aus. Überall hängen Skizzen und Plakatmotive, stehen Bücher und Bildbände in den Regalen. Das Atelier ist dunkel, obwohl es wie ein Ladenlokal im Erdgeschoss liegt, doch Bahnen von grauen Stahllamellen schützen Hajek bei der Arbeit vor zu viel Sonne, Ablenkung und neugierigen Blicken. „Black Antoinette“ ist eine Sammlung seiner Arbeiten der vergangenen drei Jahre. Da blicken die „Talking Heads“, die Hajek für den „Rolling Stone“ porträtiert hat aus spitzen Gesichtern auf den Betrachter herab. Doch auch Unerwartetes, wie die Anzeige für eine Fernsehsendung in Rio de Janeiro finden sich. Noch riecht es im Atelier ein wenig nach Farbe, das letzte Gemälde seiner düsteren „König-Serie“ schimmert feucht.

Vom November an werden die Bilder bei „AJL“, der Galerie von Anna Lüpertz gezeigt. „In diesen Arbeiten steckt viel Persönliches“, kommentiert Hajek die mysteriösen Porträts, „es geht mir um die vielen Facetten einer Persönlichkeit, um die permanente Suche nach einer Identität“. Seine eigene Berufung dürfte Hajek gefunden haben, denn mittlerweile zählt er doch zu den bekanntesten Illustratoren in Deutschland. Schon längst geht es bei ihm nicht mehr darum, einen Text bloß visuell zu unterstreichen. Wenn Hajek, malt, zeichnet oder aquarelliert, stehen seine Arbeiten häufig für sich, sind Worte oft überflüssig. Durch Hajeks typischen Stil, die naiven bis romantischen Motive und satten Farben, die Fabelwesen, Blumen, exotischen Tiere und schönen Frauenköpfe soll sich sogar Designermode verkaufen. „Im Moment habe ich gut zu tun“, sagt der 46-Jährige. „Doch als Freischaffender musst du damit rechnen, dass eine Zeit lang mal weniger reinkommt“. Wer mit dem Illustrator redet, der spürt, dass er in seiner Arbeit aufgeht. Das gilt auch, wenn er von den ersten Erfolgen erzählt. Zwei Jahre später, als der Mittzwanziger nach Berlin gezogen war, begann er beim „SZ“-Magazin und erhielt erste Auszeichnungen. Dann traute er sich nach Amerika. Sein erster Auftrag: die Illustration eines Off-Broadway-Stückes. Heute arbeitet er noch regelmäßig für US-Auftraggeber, etwa das renommierte „Time“-Magazin, und wenn er erzählt, dass er es in seine „Bibel“, das Jahrbuch „American Illustration“, geschafft hat, ist ihm der Stolz anzumerken.

„The king has lost his crown“ ab dem 2. November bei AJL ARTS. „Black Antoinette“ erscheint im Gestalten-Verlag, 144 Seiten, 39,90 Euro