Konzert

Wedding Present: Treff der Anoymen Melancholiker

Die Band aus Leeds tritt im Festsaal Kreuzberg auf

„Manche meiner Lieder sind so komplett autobiografisch,” hat David Gedge in einem Interview im Frühjahr erzählt, “dass es schon an der Grenze zur Peinlichkeit ist.“ David Gedge ist Sänger der Wedding Present und Frontmann einer der vielen britischen Bands aus den 80er- Jahren, die auf ihren Gitarren drei Akkorde spielten und die Hauptarbeit dem Schlagzeuger überließen. Und tatsächlich, außergewöhnlich für eine Schraddelband waren schon immer die Texte, die die gesamte Palette an Liebesverwirrungen umfasst: Falsche Abzweige, dusslige Sehnsucht und die Neigung , jede Bosheit, jede Untreue, jede Lüge für einen einzelnen Kuss zu verzeihen.

Bei David Gedge sind die Männer die Blondchen, und so ist es auch ganz schlüssig, dass der Abend im Konzertsaal Kreuzberg ein nahezu reiner Männertreff ist. Hier bleibt der moderne Kerl unter sich, wenn eine Frau sich in den überschaubaren Saal verirrt hat, dann ist sie unter Garantie die Freundin, die mitgeschleppt wurde. Ein Treffen der Anonymen Melancholiker. Um die 20 Lieder wird an diesem Abend David Gedge spielen. 52 Jahre alt ist er (und hat sich, gerade für einen Vertreter dieser Branche, beneidenswert gut gehalten), der letzte Veteran der Band aus Leeds, die sich in den Jahren immer wieder neu formiert hat und nun auch zur Tour 2012 in recht frischer Besetzung aufgebrochen ist – eine auf jeden Fall begrüßenswerte Maßnahme, nimmt sie dem Auftritt doch die übliche leichte Muffigkeit altgedienter Bands.

So hat den Bass die Schweizerin Pepe le Moko übernommen, die nicht nur eine Bestätigung der langjährigen Beobachtung ist, dass nahezu jede Frau mit einer Gitarre einen beängstigenden Sexappeal bekommt, sondern auch deshalb eine Bereicherung ist, weil sie mit einer Coverversion des Klee-Hits „Erinner dich” eine schöne Abwechselung darbietet. David Gedge wiederum bietet als Arbeitsbeweis einen beachtlichen Gitarrenverschleiß an, praktisch nach jedem Lied müssen eine Gitarre ausgewechselt und Saiten nachgezogen werden. Es ist wie immer bei gut gelagerten Bands: Ein paar Lieder aus dem 25-jährigen Schaffen vermisst man immer, einer im Publikum ruft laut „Anyone can make a mistake” (die Verlierer- Hymne der Wedding Present), aber Gedge schaut ihn nur mit gespielter Verwunderung an und fragt: “Ist das jetzt ein Wunschlied oder eine Kritik?” Spielen wird er den Song nicht, Demokratie hat auch seine Grenzen. Stattdessen gibt es dann “Take me”, der Song für alle tempoverschärfenden Verliebten (“Take me, I'm yours / We might never have this chance again”), zum Schluss. Auf Zugaben braucht man gar nicht zu warten, denn Zugaben gab es noch nie bei den Wedding Present.