Architektur

Hardt-Waltherr Hämer, der Retter von Kreuzberg, ist tot

Der „Vater der behutsamen Stadterneuerung“, Prof. Hardt-Waltherr Hämer, ist tot. Der Berliner Architekturprofessor starb im Alter von 90 Jahren im Ostseebad Ahrenshoop, teilte das Architekturbüro Autzen & Reimers mit.

Hardt-Waltherr Hämer, geboren 1922 in Hagen bei Lüneburg, studierte an der Berliner Hochschule für bildende Künste (HfBK) und an der staatlichen Schule für Baukunst in Weimar. Von 1959 bis 1985 führte er ein gemeinsames Büro mit seiner Ehefrau und Architektin Marie-Brigitte Hämer-Buro.

Von 1967 bis 1986 war Hämer Professor für Entwerfen an der HfBK Berlin, außerdem war er von 1989 bis 1997 Vizepräsident der Akademie der Künste. In einer schwierigen Zeit, daran erinnerte Akademie-Präsident Klaus Staeck: „Für die Akademie der Künste hat er Verantwortung übernommen in einer Zeit, in der ihre Existenz bedroht war. Kämpferisch und verantwortungsbewusst gegenüber der Mitgliedschaft und den Mitarbeitern hat er den Vereinigungsprozess aktiv mitgestaltet.“ In der Akademie war Hämer seit 1970 Mitglied der Sektion Baukunst.

Bekannt wurde Hämer durch den Neubau des Stadttheaters von Ingolstadt, das 1966 fertiggestellt wurde und heute zu den wichtigsten Baudenkmälern der Stadt zählt. Seit den späten 60er Jahren hatte er sich vehement gegen Abriss und Einebnung und stattdessen für einen „Stadtvertrag“ eingesetzt, der ein verträgliches Miteinander von Bewohnern und Planern zur Voraussetzung jeglicher Stadterneuerung macht. Nach 1968 begannen seine Projekte zur Stadt- und Altbausanierung in den Bezirken Wedding und Charlottenburg.

Mit der Gesellschaft zur behutsamen Stadterneuerung Berlin, S.T.E.R.N., war er maßgeblich an der Sanierung und Erneuerung von Kreuzberg beteiligt und bewahrte Ende der 70er Jahre den Stadtteil vor der Planierraupe. Ab 1979 war er Planungsdirektor Stadterneuerung der Internationalen Bauausstellung (IBA 84-87). Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Ahrenshoop auf dem Darß. Er sanierte dort sein erstes Bauwerk, die Ahrenshooper Schifferkirche (1951). Auf dem Friedhof neben der Kirche findet am 5. Oktober die Beisetzung statt.