Ich lese gerade ...

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Nina Wehner (31), Die Buchkönigin, Hobrechtstr. 65, Neukölln: Spätestens nach 20 Seiten taucht man bei Thomas Meyers grandiosem Debütroman „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ komplett ein in das Leben der jüdisch-orthodoxen Züricher Familie Wolkenbruch. Im Mittelpunkt steht Mordechai, genannt Motti, der mit Mitte 20 immer noch bei seinen Eltern wohnt. Aufgabe seiner Mutter ist daher, ihn mit einem jüdischen Mädchen zu verheiraten. Sie scheut keinen Aufwand dabei. Motti aber verliebt sich an der Uni ausgerechnet in eine Schickse, was von der Familie recht dramatisch aufgenommen wird. Mit dem Auftauchen der Nicht-Jüdin Laura erkennt man, wie geschlossen und befremdlich der Alltag der Wolkenbruchs ist. Der jüdische Autor hat einen herrlich überspannten Mikrokosmos mit viel jiddischem Vokabular erschaffen und gewährt einen witzigen Einblick in das Leben orthodoxer Juden.

Thomas Meyer: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse, Salis Verlag, 288 Seiten, 24,90 Euro.