Diskussion

Patrick Foglis Mafia-Krimi weckt Leidenschaften

Eine Lesung im italienischen Kulturinstitut Berlin, da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass das Publikum italienisch spricht. So ist es aber nicht. Der eine oder andere macht sich lautstark bemerkbar und fordert eine Übersetzung. Lektorin Amelie Thoma löst charmant das Problem und stellt die Fragen an den Autor, Patrick Fogli, um den es eigentlich geht, auf Deutsch. Geantwortet wird auf italienisch und übersetzt vom Dolmetscher Johannes Hampel wieder auf Deutsch. Da kann man schon leicht drunter und drüber gehen.

Geklappt hat es trotzdem, und der Roman, vorgestellt beim 12. Internationalen Literaturfestivals, verspricht regen Diskussionsstoff. Es geht um die Mafia. Der Autor, 1971 geboren, in Bologna lebend, ist hauptberuflich eigentlich kein Krimi-Autor, sondern Ingenieur und wäre fast einmal Tennisprofi geworden. 2006 hat er seinen ersten Roman „Langsam, bis du stirbst“ veröffentlicht – sein erster Thriller über einen Mafia-Killer. „Ich spüre die Verpflichtung, mein Land zu begreifen“, sagt er. Paolo Borsellino, ein italienischer Richter, und Giovanni Falcone, ein italienischer Jurist, die sich für die Bekämpfung der Mafia einsetzten, fielen 1992/93 Attentaten zum Opfer. Für Fogli waren das einschneidende Ereignisse in der jungen Geschichte Italiens. Diese Geschehnisse verarbeitet er in seinem Roman „Bleiernes Schweigen“. Er schildert die Geschichte eines Journalisten, der von einer unbekannten Frau einen Anruf erhält. Sie lädt ihn dazu ein, zu einer Gerichtsverhandlung zu kommen. Sie verteidigt einen Mafiazuträger. Doch sie und ihr Mandant werden im Gerichtssaal ermordet.

Der Roman verspricht eine unerwartete Wendung zu nehmen. Auf eine Kostprobe muss leider verzichtet werden. Die Übersetzungen haben zu lange gedauert. Zeit für eine lebendige Diskussion mit dem Autor bleibt dennoch. Kaum wird die Diskussionsrunde eröffnet, springt ein Mann von seinem Stuhl auf und ergreift lautstark das Wort, auf ein Mikrofon verzichtet er. Er möchte über die Ursachen und die Bekämpfung der Mafia aufgeklärt werden. Die Frage kann von dem Autor nur angerissen werden. „Die Mafia und deren Organisationen haben sich verändert“, antwortet er. Es gäbe keine klare Unterscheidung zwischen legal und illegal. Die Strukturen seien überall vertreten. Eine Frau möchte es genauer wissen: „Wie lässt sich der Einfluss auf die Mafia von außen erklären?“, ruft sie durch den Raum. Fogli wartet geduldig auf die italienische Übersetzung, genau wie das Publikum auf die deutsche. Jetzt kann er endlich antworten: „Die Mafia hat eine stärkere Präsenz und braucht die Politiker nicht mehr.“ In jedem Fall sei es wichtig, dass man einen starken Staat hat und Finanzstraftaten erkennt. Das Publikum nickt mit den Köpfen. Thoma weist am Ende des Gesprächs darauf hin, dass der Roman kein Sachbuch sei.

Patrick Fogli Bleiernes Schweigen, Aufbau-Verlag, 22,99 Euro.