Roman

Fee Katrin Kanzlers zerrissenes Großstadtmädchen

Sie „will weinen, will etwas erschaffen, will Welten kollidieren lassen“.

Die junge Heldin in Fee Katrin Kanzlers Debütroman „Die Schüchternheit der Pflaume“, ein „Kapriolenkind“ und somnambule „Musiksüchtige“, will alles auf einmal: Das pure Leben, dionysisch, ekstatisch soll es sein. Dabei scheint nichts so wirklich voranzugehen. Ihre Band hat nur mäßigen Erfolg, die Tage ziehen im melancholischen Ennui dahin und auch die Suche nach dem Traummann scheint in einer unglücklichen Menage à trois zwischen dem „Durchschnittsliebhaber“ Blaum und dem geheimnisvollen Fender zu stagnieren. Gezeigt wird ein zerrissenes Großstadtmädchen, das den Widerspruch zum Lebensprinzip erklärt. Im spätpubertären Identitätschaos ist alles fragil und magisch zugleich. Wie ein Rausch vereint Kanzlers Sprache die Knotenpunkte unserer Wahrnehmung. Was als musikalische „Weltsinfonie“ beginnt, ergießt sich in Farb- und Bildspielereien.

Fee Katrin Kanzler „Die Schüchternheit der Pflaume“, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt/Main, 19,90 Euro.