Theater

Noch wird saniert, am 1. November eröffnet das HAU

Leiterin Annemie Vanackere stellt ihr Programm vor

Berlin wird Niederländischer. Zumindest prognostizieren das die Künstler des Theaterkollektivs Wunderbaum. Weil nämlich die Mitte-Rechts-Regierung zahlreichen Gruppen die Zuschüsse gestrichen hat, kämen bald viele nach Berlin. Ganz ernst war der Ausspruch wohl nicht gemeint, als Wunderbaum bei der Pressekonferenz zum Neustart am Theaterkombinat Hebbel am Ufer (HAU) ihr ersten Projekte vorstellten. Aber zumindest hätten die Künstler hier eine Ansprechpartnerin: Annemie Vanackere, neue Chefin des HAU, wurde in Belgien geboren und leitete seit 1995 die Rotterdamse Schouwburg, ein Produktionshaus und Festivalort von internationalem Rang.

Seit Februar wohnt sie in Berlin. Und spricht mittlerweile ziemlich gut Deutsch, davon konnten sich Journalisten, Künstler und HAU-Mitarbeiter bei der Präsentation der Pläne im HAU 1 überzeugen. Im Inneren des Hauses sind schon etliche Wände blau geworden, diese Farbe ist Teil des neuen Designs, sie löst das Lilienthal-Rot ab. Matthias Lilienthal hatte nach neun Jahren die Leitung des HAU in diesem Sommer abgegeben - und wurde zum Schluss nochmals zum „Theater des Jahres“ gekürt – eine kleine Bürde für den Neuanfang.

Die 46-Jährige nimmt das sportlich. Sie will eigene Akzente setzen, aber nicht alles neu machen. Fortgesetzt wird die Zusammenarbeit mit etablierten Gruppen wie She She Pop, Gob Squad oder Rimini Protokoll. Aber auf das Prinzip der permanenten Überforderung, ein Lilienthal-Credo, möchte die Neue ausdrücklich verzichten. Sie setzt auf Zweisprachigkeit, viele Aufführungen sollen untertitelt werden - und nicht nur am verlängerten Eröffnungswochenende vom 1. bis 4. November werden noch andere Sprachen zu sehen und zu hören sein wie Schweizerdeutsch, Niederländisch, Russisch.

Wer babylonische Zustände befürchtet, darf sich mit Schwalbe, hinter dem Namen verbirgt sich ein Amsterdamer Theaterkollektiv, trösten: In „Schwalbe spielt falsch“ ist „Language no problem“, wie es im zweisprachigen Leporello heißt. Wunderbaum begleitet den Neustart mit „Vision out of nothing“, in dem es unter anderem um die Rettung des Theaters und Berlins geht. Und der französische Choreograph Jérome Bel zeigt sein mit geistig behinderten Menschen erarbeitetes Tanzstück „Disabled Theater“. Außerdem gibt es Filme, Musik und Parties zur Wiedereröffnung. Noch aber wird die Technik erneuert, und auch das WAU, die öffentliche Kantine, bekommt ein neues Design: Das HAU macht blau.