Flüchtlingsschicksal

Die unglaubliche Odyssee einer jungen Afrikanerin nach Berlin

Die junge Afrikanerin, die nach einer traumatischen Odyssee durch das Mittelmeer in Sizilien strandet, hat nur ein Ziel.

Sie will nach Berlin, weil dort ihr Junge ist. Mit dem Vater des Kindes hatte sie sich eine gemeinsame Zukunft erhofft, doch er täuschte sie und nahm ihr in Tunesien gleich nach der Geburt das Baby für sich und seine Ehefrau weg.

In Italien trifft Ines auf Helfer, nicht immer uneigennützige, wie den Lastwagenfahrer, der als Entgelt für die Mitfahrt sexuelle Dienste erwartet. Aber auch sie nimmt sich, was sie braucht, einem älteren Herrn stiehlt sie Geld. An der italienisch-schweizerischen Grenze schließlich zeigen ihr Jäger, wie man am besten ohne Visum nach Berlin gelangen kann.

In Lloyd Jones Roman „Die Frau im blauen Mantel“ bleibt die Hauptfigur erst namenlos, später wird sie sich Ines nennen. Jones, von dem der preisgekrönte Roman „Mr. Pip“ stammt, der mit Hugh Laurie verfilmt wurde, zählt zu den renommiertesten Schriftstellern Neuseelands, dem Schwerpunktland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.

In seinem neuen Buch nun lässt Jones die Menschen zu Wort kommen, die Ines begegnet sind. Ihre Berichte, Monologe – von ganz unterschiedlichem Tonfall – fügen sich wie ein Mosaik zusammen und lassen ein Bild von Ines entstehen. Das erinnert ein wenig an die Spurensuche in einem Krimi.

Ines ist eine Mutter, die alles dafür tut, um ihr Kind zu sehen, und sie ist und bleibt eine illegale Einwanderin ohne Rechte, die sich bedeckt und versteckt halten muss. Nach ihrer Ankunft in Berlin fährt Ines, immer im blauen Mantel gekleidet und eine Plastiktüte bei sich, tagelang U-Bahn oder sitzt auf Toiletten, um wenigsten eine Art von Bleibe zu haben. Kritik an der Flüchtlingspolitik und der Kluft zwischen Europa und Afrika, die Menschen zur Ware degradiert, wird deutlich.

Lloyd Jones „Die Frau im blauen Mantel“, aus dem Englischen v. Grete Osterwald, Rowohlt, 19,95 Euro