Potsdam

Geheimbotschaften an der Glienicker Brücke

Die Schau „Grenzgänge“ in der Villa Schöningen zeigt Kunst, die mit dem Design flirtet

Wir wissen nicht, ob Tom Cruise diese Geheimbotschaften zu schätzen weiß. Scientology, dessen Mitglied er ist, spielt nicht gerade mit offenen Karten, wenn es um Wahrheitszugewinn geht. Tobias Rehberger hat in der Villa Schöningen eine quietschbunte Skulptur aufgebaut, die sich langsam dreht. Angestrahlt durch einen Spot wirft sie wundersame Schatten. Nur einmal am Tag allerdings, noch weiß keiner genau wann, schreibt sich aus diesem Lichtspiel heraus der Name des US-Schauspielers in die Wand ein. Eine kesse Assoziation, genau an diesem Ort, am Übergang der Glienicker Brücke, dort, wo Geheimbotschaften, Spione und der Austausch von Häftlingen zur Geschichte gehörten.

„Grenzgänge“, so heißt dann auch die neue Gruppenschau im Potsdamer Ausstellungshaus. Diesmal aber ist der Titel weniger politisch ausgerichtet, das Thema bezieht sich vielmehr auf den Spagat zwischen Kunst und Design. Design galt unter Künstlern lange als reines Dekor, als schick und zu wenig kritisch. Heute sind die klassischen Grenzen längst gesprengt, Fotografie flirtet mit der Malerei, Installation mit Video, Skulptur mit Mode. „Gerade in Berlin kann man diese Entwicklung stark beobachten“, so Kuratorin Ina Grätz. Kein Wunder also, dass alle fünf in Potsdam ausgestellten Künstler in Berlin leben und arbeiten. Dabei bestückt jeder Künstler einen „Wohnraum“ in der Villa, es gibt also keinen White Cube, der die Werke isoliert.

Anselm Reyle verdankt sein künstlerisches Rendezvous mit der Mode dem Hause Dior. Er zeigt nicht nur ein glitzerndes Folienbild mit barockem Faltenwurf, sondern auch „Natascha“. Eine nur mit schwarzweißer Spiegelfolie bekleidete Schaufensterpuppe mit NVA-Käppchen, die ihm einst als Model diente, als er für das Premium-Label eine rauschende Show vorbereitete. Die zweifellos spektakulärste Arbeit kommt von Olafur Eliasson, er hat ein trichterförmiges Kaleidoskop („Your Red Planet“) aufgebaut, in dem sich der Besucher vielfach spiegeln kann. In einem Spektrum der schönsten Farben - rot, orange, grün, Farben, die man - wirft man einen Blick hinaus durchs Fenster - draußen in der Havellandschaft wiederfindet. In einem ähnlichen Farbrausch dürften die monumentalen Leinwände von Katharina Grosse entstanden sein - ihre Strukturen ähneln einem Stoffmuster. Max Frisinger hat sein Design in unserem schnöden Alltag wiedergefunden - in Form von alten Heizkörpern, die er zu verblüffend ästhetischen Skulpturen reduziert hat.

Villa Schöningen, Berliner Straße 86, Potsdam. Eröffnung: Heute, 16 Uhr. Di-Fr 11-18 Uhr. Sa/So 10-18 Uhr. Bis 6.1.