Auffrischung

Keine Sorge um „Ta-ta, ta-ta-ta-taaa“

20-Uhr-Ritual: Die Erkennungsmelodie der Tagesschau wird überarbeitet

Abends in vielen deutschen Wohnzimmern: Es wird gerade zu Abend gegessen, plötzlich ertönt halblaut eine Art Fanfare im Hintergrund, der Vater nimmt die Fernbedienung und fordert mehr Ruhe, weil er jetzt seine Nachrichten sehen will. Es ist 20 Uhr, es ist ein Ritual. Nach dem „Ta-ta, ta-ta-ta-taaa“ beginnt die Tagesschau. Rund vier Millionen Menschen sehen derzeit täglich die Nachrichtensendung. Es konnte nur ein Missverständnis sein, als die „Bild“-Zeitung verkündete, der Oscar-Preisträger Hans Zimmer würde eine neue Tagesschau-Melodie komponieren. Die sechs Töne sind ein National-Intro. Kein Bundeskanzler würde mal so eine neue Nationalhymne in Auftrag geben, weil die Bundesrepublik mal eben frischer, moderner daherkommen soll. Und kein ARD-Intendant hat es in den letzten Jahrzehnten gewagt, das „Tagesschau“-Intro zu kippen. Das Intro steht für Nachrichten, für Glaubwürdigkeit, für das nationale Miteinander (einst auch in Ost und West). Ganze Generationen sind mit dieser Melodie aufgewachsen.

Neues Studiodesign

Allerdings gab es im Laufe der Jahrzehnte einige Versuche, die markanten Takte vom Sound her aufzupeppen. Jetzt steht wieder so eine Auffrischung bevor, denn bis zum Jahresende will die Redaktion von ARD-aktuell die Entwicklung ihres neuen Designs, wozu auch die angepasste Titelmelodie gehört, abgeschlossen haben. Sprich: es soll frische Musik in einem frisch renovierten Studio erklingen. Aber die Berichte über eine vollkommen neue „Tagesschau“-Melodie hat die ARD bereits zurückgewiesen. „Die Sorge um das Ta-ta, ta ta ta taaa ist unbegründet“, sagte ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke gestern in Hamburg. Die Erkennungsmelodie werde nicht „entsorgt“, sondern wie zuletzt in den Jahren 2005, 1997 und 1994 nur überarbeitet. „Dabei bleiben natürlich die Grundelemente der ,Tagesschau’-Melodie erhalten, die sie so unverwechselbar machen.“ Die Überarbeitung übernehme der Komponist Henning Lohner, sagt Gniffke, der für die Firma „Remote Control“ von Oscar-Preisträger Hans Zimmer tätig sei.

Henning Lohner, 1961 in Bremen geboren und in den USA aufgewachsen, war Kompositionsschüler von Iannis Xenakis und Schützling von Karlheinz Stockhausen, er schrieb die Filmmusik u.a. zu „The ring“ (mit Hans Zimmer), „Der Eisbär“ (von Til Schwieger), „Der große Bagarozy“ (1999 von Bernd Eichinger) oder „Starcatcher“ (für die Expo 2000).

Aus der „Hammond-Fantasie“

Lohner soll hollywoodgemäß die sechs Noten umhüllen, die Hans Carste, der einstige Abteilungsleiter für Tanz- und Unterhaltungsmusik beim Rias Berlin, in russischer Kriegsgefangenschaft komponiert hat. Die Erkennungsmelodie entstammt seiner „Hammond-Fantasie“ und wurde für ein 90-köpfiges Orchester bearbeitet. Seit 1956 erklingt das Intro zu Beginn der Tagesschau. Zunächst erinnerte es fast an den Tusch einer Tanzkapelle. Später wurde es etwas jazziger, mal melodiöser, mal markiger. Der Sound wurde immer zeitgemäßer, elektronischer. Aber es blieb immer eine Fanfare, die uns signalisieren soll: Aufgepasst, etwas Wichtiges folgt! Es gibt noch andere Melodien, die die Fernsehnation bewegen. Das Intro zur „Sportschau“ etwa verspricht Dynamik, Tempo, Action. Es erzeugt freudige Erwartung. Ähnlich ist es auch bei der beliebtesten Krimiserie der Deutschen. Die „Tatort“-Titelmusik wurde 1970 von Klaus Doldinger komponiert und im Lauf der Zeit nur zweimal behutsam modernisiert. Das Schlagzeug in der Erstfassung spielte übrigens Udo Lindenberg.