Philharmonie

Komponist John Adams schickt Nixon nach China

Ja, war denn Nixon tatsächlich solange in China, wie es die Oper von John Adams behauptet?

Ihre Spieldauer wird bei der konzertanten Aufführung in der Philharmonie mit vier Stunden angesetzt. Am Ende ist sie aber schon nach dreieinhalb Stunden zu ende und hat sich in jeder Beziehung als höchst originell und eigenwillig erwiesen. Ein Höhepunkt des „Musikfests Berlin“. Die BBC Singers bilden den spielfreudigen Chor. Die Solisten sind durch die Bank ausgezeichnet, das BBC Symphonie Orchestra spielt mit Anschaulichkeit, Autorität und Werkverständnis. Kein Wunder, der Komponist steht am Pult, und zweifellos kennt keiner das Werk so gut wie er.

Noch etwas kommt hinzu: Alice Goodmann hat dem auf Anregung des Regisseurs Peter Sellars geschriebenen Stück ein vorzügliches Libretto voller poetischer Eindringlichkeit geschrieben. Es kitzelt das Interesse wie die Lachmuskeln. „Nixon in China“ erzählt nicht von den Erfolgen der Politik. Das Stück stellt sie ernsthaft in Frage. Es endet am Rande des Trübsinns.

Das Erfolgsrezept für die musikalische Aufbereitung des ungewöhnlichen Stoffes hat John Adams in der „minimal music“ seines älteren Kollegen Philip Glass gefunden, sie aber rundum bereichert. Die Oper fesselt vor allem durch sie, obwohl die Nixon-Reise nach China, die erste Aufnahme der Gespräche zwischen Fernost und Fernwest, inzwischen ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Robert Orth ist Nixon. Er versteht es sogar, mit andauernd schiefem Mund gradaus zu singen. Sind so Politiker? Tenor Alan Oke schmettert als Mao Tse-Tung seine revolutionären Thesen.