Musik

Thielemann: Vielen Dirigenten fehlt das Handwerk

Vielen Dirigenten fehlt nach Ansicht von Christian Thielemann heute das Handwerk. „Gut aussehen reicht nicht“, sagte der Chef der Sächsischen Staatskapelle Dresden in München.

Wie bei einem Elektriker müssten auch beim Dirigenten alle Handgriffe sitzen. Ein Dirigent müsse immer ein guter Kapellmeister sein – und auch musikgeschichtliches Wissen könne nicht schaden. Das komme heute oft zu kurz, weil Entscheidungsträger immer häufiger auf „unangepasste Quereinsteiger“ am Dirigentenpult setzten. „Das ist natürlich eine ideologische Geschichte.“

Aber: „Zurückgeworfene Haare und ein gut sitzender Frack“ reichten nicht. „Es kann nur ein Kapellmeister in Bayreuth überleben“, betonte Thielemann, der bei den Wagner-Festspielen musikalischer Berater der Festspielleiterinnen ist und in diesem Jahr den „Fliegenden Holländer“ und auch den „Tannhäuser“ dirigierte. Die Arbeitsbedingungen im brüllend heißen Orchestergraben seien im Übrigen körperlich alles andere als angenehm. „Da können Sie die Engel im Himmel singen hören.“

Sein Leben mit Wagner hat Thielemann nun in Buchform gepresst. Das Werk soll am 21. September erscheinen. „Wir wissen, dass er gerne Seidenwäsche getragen hat – was wir alles über den Wagner wissen... Aber wie man im Orchester in Bayreuth dirigiert, das hat noch keiner geschrieben.“ Thielemann hat das nun zusammen mit der Autorin Christine Lemke-Matwey nachgeholt. Eine unkritische Auseinandersetzung mit seinem Helden sei das Buch nicht geworden, sagt der Dirigent. „Wenn man jemanden besonders verehrt, darf man auch mal meckern.“