Konzert

Auf den Dächern Berlins: Dreizehn Bands in vier Stunden

Der Geruch des Eberswalder Nackensteaks weht durch den Innenhof der Fernsehwerft an der Stralauer Allee.

Menschen schauen hinter einem Gitterzaun, der das Spreeufer vom Hof abtrennt, auf eine Leinwand und sehen den Musikern Max Herre und Philipp Poisel beim gemeinsamen Singen zu. Die beiden stehen auf einer kleinen Bühne nur wenige Meter von der Leinwand entfernt auf dem Dach des Studiokomplexes. Das Berliner Start-Up Tape.tv lädt zum „Auf den Dächern Festival“.

Die Idee dabei ist: Musiker spielen auf drei verschiedenen Dächern entlang der Spree. Das ganze wird ins Internet gestreamt und im Innenhof auf einer Leinwand gezeigt. Auf die Dächer dürfen aber nur wenige und natürlich nur die super wichtigen Menschen. Wie zum Beispiel Frau Wegner, jedenfalls steht das auf dem riesigen Schild, das sie um den Hals trägt. Unten drunter steht der Name eine Biermarke. Sie sitzt mit türkiser Bluse über türkisenem Pullover da, beißt in das rösche Nackensteak von unten, trink ihr eigenes Bier, hört vier Songs und dann schaut sie wieder an den so selten gewordenen Dachantennen vorbei, entlang der Flucht der Frankfurter Allee gen Richtung untergehende Sonne. Ein junger Mann mit einer Pandamaske läuft vorbei.

Weil dreizehn Bands verteilt auf knapp vier Stunden spielen, und die ja auch nicht alle gleichzeitig ran sollen, ist die Auftrittszeit sehr beschränkt. 15 Minuten dauert es, nicht länger. Das ist angenehm, zwei Männer, Typ Kunststudenten, sagen, dass man Max Herre ja sowieso nicht so lange aushalten könne. Sie sagen auch, dass die Sängerin Mieze ein komisches Kostüm trage, die mit ihrer Band MIA gerade auf Dach 1 steht.

Das kann man nachvollziehen. Es erinnert irgendwie an das Schwanenkostüm, dass die isländische Künstlerin Björk 2001 bei den Oscars trug. Nur zerfledderter, weil MIA ja auch ein bisschen wilder sind. Sie spielen ihren Berliner Straßenpop, schnoddrig, die Stimme von Mieze fauchig. „Tanz der Moleküle“ ist ihr letztes Lied. Und es wird so schön melancholisch im Bauch. Man muss nämlich wissen, auf MIA standen mal ganz viele Mädchen, die sich so künstlerisch alternativ gefühlt haben, also zumindest in der Provinz war das so. Also führte vor sechs Jahren, wenn man mit diesen Mädchen knutschen wollte, kein Weg daran vorbei, die Platte mit „Tanz der Moleküle“ drauf zu kaufen und irgendwann beiläufig in den CD-Spieler einzulegen. Einen Baukran erkennt man silhouettenhaft und natürlich den Fernsehturm.

Ein echt guter Ausblick für ein Konzert. Zeit zu gehen, bevor man noch anfängt wehmütig zu werden.