Theater

„Die Lokomotive“: Eine risikolose Komödie am Kudamm

Irgendein Pariser Vormittag im 40. Ehejahr von Ernest (Peter Fricke) und Sonja (Anita Kupsch).

Sie, die russische Diva, leicht erkältet, vor allem launisch, er, der tolerante Franzose, der sie großzügig aushält. Denn noch immer schwärmt Sonja von Kostja, ihrer Jugendliebe, die sie in den 20er Jahren auf der Flucht aus Baku im Rauch einer Lokomotive verlor; den großen, starken Kostja, der ihr die Ewigkeit versprach. An diesem Pariser Vormittag erhält Sonja einen Brief des Verschollenen. Und ein paar Takte später ist Kostja (Gisbert-Peter Terhorst) plötzlich da – etwas weniger groß und stark, tatsächlich sogar kleiner als Ehemann Ernest. Nur im Saufen macht Kostja keiner was vor.

Das Theater am Kurfürstendamm zeigt „Die Lokomotive“, eine Komödie des Franzosen André Roussin. Regisseur Jürgen Wölffer hat das Stück inszeniert. Herausgekommen ist eine Heileweltkomödie über eine Familie im Nachkriegswohlstand. Anita Kupsch („Praxis Bülowbogen“) steht gemeinsam mit ihrer Enkelin Lea Schobesberger auf der Bühne. Die 19-Jährige spielt die duftige Enkelin von Sonja, das naive Mädchen (ja, klassische Rollenbilder), überspannt artifiziell und etwas böig motiviert in ihrer ersten Bühnenrolle. Der Humor ist ein geprüfter, die Geschichte leicht erzählt. Als Sonjas Traumbild von Kostja zusammenfällt, kümmert sie sich nebenher um die Probleme der Enkelkinder. Sie selbst muss sich entscheiden zwischen übriggebliebenem Abenteuer und übriggebliebenem Ehemann. Es ist eine risikolose Komödie. Dem Premierenpublikum gefiel der Abend sehr.

Theater am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206, Charlottenburg. Bis 4. November, täglich außer montags. Karten: 88 59 11 88