Museen

Erst wird jahrelang geplant, dann alles verworfen

Kulturpolitik aus dem Bauch heraus: Das neue Berlin Museum soll jetzt ins Zentrum rücken

Geduld gehört zu den Tugenden, die für Mitarbeiter der Stiftung Stadtmuseum unverzichtbar sind. Seit über zehn Jahren warten sie auf ein Ausstellungshaus, in dem die Berliner Geschichte vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert werden kann. In dem Platz für Sonderausstellungen ist. Und auch für die Verwaltung, die momentan jenseits der Sammlungen in einem Gebäude an der Poststraße untergebracht ist.

Eine passende Immobilie war eigentlich längst gefunden: Das Marinehaus am Köllnischen Park. Direkt gegenüber liegt das Märkische Museum, dort ist derzeit die Dauerausstellung untergebracht. Insgesamt 19 Standorte umfasste das Portfolio der Stiftung in den Hochzeiten, in den vergangenen Jahren wurden allerdings einige Sammlungen integriert und etliche Häuser wie das Schloss Friedrichfelde oder das Galgenhaus ab- beziehungsweise aufgegeben. Auch im Vorgriff auf das Zukunftsprojekt Marinehaus. Das wurde der Öffentlichkeit medienwirksam an einem bitterkalten Dezembertag 2004 präsentiert, später gab es einen Wettbewerb, 2012 sollte das neue Quartier bezogen werden. Es kam zu Verzögerungen – die gibt es nicht erst seit Flughafen und Staatsopernsanierung – als neuer Termin wurde 2016 genannt. Bis zum Montag.

Da überraschte Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) die Abgeordneten mit der Nachricht, dass der Umzug ins Marinehaus kein Thema mehr sei. Jetzt soll die Stiftung ins Gebäude der Stadtbibliothek an der Breiten Straße ziehen. Eine Rochade mit vielen Unwägbarkeiten. Denn nach der bisherigen Planung wird das Haus erst 2021 frei, dann soll der Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) am Rande des Tempelhofer Feldes bezugsfertig sein. Falls das vom Koalitionspartner CDU nicht sonderlich geliebte 250-Millionen-Euro-Projekt realisiert wird. Alternativ gibt es auch die Überlegung, die Amerika-Gedenkbibliothek (der zweite Standort der ZLB) zu erweitern oder in die denkmalgeschützten Hallen am früheren Tempelhofer Flughafen zu ziehen.

Die Opposition empört diese Art der Kulturpolitik. Als „unglaublichen Vorgang“ bezeichnet Sabine Bangert, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, diesen überraschenden Sinneswandel, der jahrelange Planungen, einen entsprechenden Wettbewerb und die Kosten ignoriere. Außerdem vermisst sie einen entsprechenden Parlamentsbeschluss. Im Rahmen der Haushaltsberatungen, die sich bis in den Juni dieses Jahres hinzogen, sei das trotz Nachfragen kein Thema gewesen. 30 Millionen Euro seien für das Marinehaus in die mittelfristige Finanzplanung des Landes eingestellt worden.

Gegen den Willen von Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister hielt den Standort am Köllnischen Park schon immer für zu abgelegen. Auch Kulturstaatssekretär Schmitz ist überzeugt vom neuen Standort, obwohl ihn die erneute zeitliche Verschiebung nicht glücklich macht: „Wir bekommen mehr Quadratmeter und eine bessere Lage zum selben Preis“, das habe eine Machbarkeitsstudie ergeben. Die neuen Pläne unterstützt auch Franziska Nentwig, die Generaldirektorin der Stiftung Stadtmuseum. Von der räumliche Nähe zum künftigen Humboldtforum verspricht sie sich ein deutlich gesteigertes Besucherinteresse. Bislang fanden Touristen eher seltener den Weg in die Dauerausstellung im Märkischen Museum.