Schlosspark Theater

Zauberin von Steglitz: Katharine Mehrling glänzt als Judy Garland

"Sei eine erstklassige Ausgabe deiner selbst, statt eine zweitklassige von jemand anderem." Judy Garland hat das gesagt.

Jetzt zeigt ihr eine, dass es auch anders geht. Auf der Bühne des Schlosspark Theaters brilliert Katharine Mehrling als erstklassige Ausgabe der Judy Garland und bleibt dabei eine ebenfalls erstklassige Katharine Mehrling. Dass ihre Persönlichkeit die der Garland ganz und gar zu umfließen und durchdringen scheint, das ist das eigentliche Wunder dieses beglückenden Abends mit dem Titel "End of the Rainbow", in dem der britische Autor Peter Quilter die letzen Monate der tragischen Diva nacherzählt. Als 17-Jährige bezauberte Garland als "Dorothy" in "Der Zauberer von Oz", es folgte eine Karriere als Musicaldarstellerin und Sängerin, es folgten aber auch finanzielle Probleme, Alkohol und Medikamente. Am 22. Juni 1969 starb Judy Garland im Alter von 47 Jahren an einer Überdosis Schlafmittel.

Der Ruhm und der Ruin, diese zwei Facetten, spiegeln sich auch auf der von Stephan Dietrich gestalteten Bühne: Vorne das Hotelzimmer, in dem Judy Mickey (Torben Krämer), ihren fünften Gatten in spe, um Drinks und Drogen anfleht und sich mit ihrem engsten Vertrauten, dem Pianisten Anthony (Christoph Schobesberger), berät. Rutscht das Mobiliar beiseite, offenbart sich dahinter die funkelnde Showbühne und die sechsköpfige Band unter der Leitung von Ferdinand von Seebach swingt dem Star, zu dem sie jetzt wider wird, den Weg. Dazu kommt eine clevere Regie von Folke Braband, der die erzählten und die gesungenen Parts gekonnt in der Waage hält und inhaltlich miteinander verschränkt. Dass das so hervorragend funktioniert, liegt an der seltenen Doppelbegabung der Katharine Mehrling, die im Schauspiel wie im Gesang gleichermaßen überzeugt. Daher mag es rühren, dass sie auf tragische, aber lebenshungrige, singende Frauen wie etwa Evita Perón oder die Piaf abonniert zu sein scheint.

Jetzt also Judy Garland: Katharine Mehrling, in einem schlichten von Silber durchzogenen schwarzen Etuikleid, stattet sie mit kessem Charme aus, betont mit gängigen Showbiz-Floskeln, bei denen jeder zum "Darling" wird, die Doppelbödigkeit von Judys Glamourfassade. Sie beschert der Garland damit eine Aura fragiler Verwegenheit, die sich in den Gesangsparts mit Katharine Mehrlings leicht rauer, ungemein kraftvoller Stimme aufs Feinste verbindet. Wie eine kräftige Ozeanwelle, in deren Tiefe sich gefährliche Strudel befinden, überschwemmt diese Stimme mit "For Once in My Life" oder "You Made Me Love You" das Publikum, darunter Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Jürgen von der Lippe, das sofort nach dem letzten Ton des letzten Liedes jubelnd von den Stühlen aufspringt. Es ist dieser letzte, berührende Song natürlich "Somewhere Over the Rainbow" aus dem "Zauberer von Oz", gesungen ganz vorne, ganz alleine am Bühnenrand sitzend. Wer braucht schon einen Zauberer von Oz, Berlin hat seine eigene Zauberin und die heißt Katharine Mehrling.

Schlosspark Theater, Schloßstraße 48, Steglitz. Tel. 789 56 67 100. Termine: 8.-13. September, 20 Uhr