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Christiane Fritsch-Weith (60), Buchladen Bayerischer Platz, Grunewaldstr. 59, Schöneberg: Gaito Gasdanows Roman "Das Phantom des Alexander Wolf" ist eine schöne und überraschende Entdeckung des Verlags. Der russische Autor, der 1923 nach Paris ins Exil ging, wird zu Recht mit Nabokov, Proust und Camus verglichen. Zu Beginn erinnert sich der namenlose Erzähler, wie er im Bürgerkrieg auf der Flucht einen Reiter erschossen hat. Ein Mord, der ihn jeden Tag bedrückt. Umso erstaunter ist er, als er 1936 in Paris von einem Buch erfährt, dass genau diese Geschichte aus umgekehrter Perspektive schildert. Auf der Suche nach dem Verfasser namens Alexander Wolf trifft er zunächst den Verleger, der Ungeheures durchblicken lässt. Später verliebt er sich in die rätselhaften Elena, die von einem ehemaligen Geliebten berichtet, der einst dem Tod entronnen ist. Es beginnt ein Vexierspiel aus Schuld, Befürchtungen, Mord und Liebe. Meisterhaft komponiert, schlank, modern und exzellent erzählt.

Gaito Gasdanow: Das Phantom des Alexander Wolf, Hanser, 192 S., 17,90 Euro.