Kunst

Sammler Pietzsch fordert eine Entscheidung

Das Ehepaar hat Berlin seine Sammlung geschenkt. Noch immer gibt es keinen Platz für sie

Bei einigen Kritikern fielen harsche Worte wie "Killer der Gemäldegalerie". Ulla und Heiner Pietzsch, Berlins bekanntes Sammlerehepaar, sind lange diskret und ruhig geblieben im heftigen Streit um den Umbau der Museumslandschaft. Ein Kulturkampf zwischen Alten Meistern und Klassikern der Moderne. Doch jetzt ist dem 82-jährigen Unternehmer der Kragen geplatzt. "Bis zum Frühjahr muss eine Entscheidung fallen. Solange ich lebe, kann ich noch mitreden. Wenn wir tot sind, interessiert sich kein Mensch mehr, wer die Pietzschens waren." So konkret hat Heiner Pietzsch sein Anliegen bislang noch nie formuliert.

120 Werke, 150 Millionen Euro wert

Der Hintergrund: Das Ehepaar hat dem Land seine hochkarätige Surrealistensammlung geschenkt. Geschätzter Wert: 150 Millionen Euro. Ein Glücksfall für die Berliner Museen. Denn mit dieser Kunst-"Gabe" schließt sich die Lücke der Surrealismus-Künstler, die von den Nazis gerissen wurde. Rund 120 Werke umfasst die Schenkung der Berliner. Unter dem schönen Titel "Bilderträume" war eine Auswahl der Klassiker im Jahr 2009 in der Neuen Nationalgalerie zu sehen. 200.000 Besucher zog die Ausstellung an. Doch für die Staatlichen Museen verursacht diese Kollektion auch Druck, weil - aus akutem Platzmangel - im Mies-van-der-Rohe-Bau ohnehin nur ein Drittel des Bestandes ausgestellt werden kann. Ab 2015 wird die Neue Nationalgalerie nun geräumt, sie soll endlich saniert werden.

Die Stiftung kam unter einer Bedingung zustande - die hochkarätigen Werke von Max Ernst bis Jackson Pollock müssen angemessen ausgestellt und dürfen nicht ins Depot abgeschoben werden. Verständlich für zwei Menschen, die ihr Leben lang begeistert gesammelt haben. Wer die beiden je in ihrer musealen Villa im Berliner Südwesten besucht hat, der weiß, dass sie hautnah - vom Esszimmer bis zum Flur - mit den Werken leben. Über den künftigen Standort der Werke ist jetzt der Streit ausgebrochen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat Pläne vorgelegt, wonach die Gemäldegalerie umziehen soll, um Bestände der Nationalgalerie mit eben jenem Herzstück der Pietzsch-Sammlung aufnehmen zu können. Am Kulturforum entstände so ein "Zentrum des 20. Jahrhunderts". Die Alten Meister würden dann ins Bode-Museum umziehen, bis dort ein Neubau entsteht. "Plötzlich sind wir die bösen Buben, die die Alten Meister verdrängen", wundert sich Pietzsch. "Wie man es dreht und wendet - für eine der beiden Sammlungen ist ein neues Museum nötig", so Pietzsch. "Entscheidet Euch oder lasst die Finger davon."

Die Kritik an der Sammlung Pietzsch ist freilich nur ein Stellvertreterkrieg, denn das Berliner Ehepaar hat stets betont, dass es auf keinen Fall ein eigenes Museum will für seine Bilder, sondern diese im Dialog stehen sollen mit anderen Werken der Moderne. "Die sollen sich die Bilder aussuchen, die sie wollen. Von mir aus können sie auch nur die zehn besten nehmen", kommentiert Heiner Pietzsch. Und plötzlich klingt das doch etwas resigniert.