Interview

"Grenzbereiche. Und Kunst. Und Mode"

Im September startet die neue "Berlin Art Week". Im Mittelpunkt steht die Verkaufsschau ABC. Ein Gespräch über den Kunstherbst

Das Art Forum als Kunstmesse gibt es schon seit über einem Jahr nicht mehr. Nun ist die ABC (Art Berlin Contemporary), eine Verkaufsaustellung, neben dem Gallery Weekend im Frühjahr, das zweite Großereignis im Berliner Kunstmarktkalender. Um das Aus des Art Forums zu kompensieren startet nun erstmals - vom Senat gefördert - vom 11. September an die Kunstwoche Berlin Art Week. Mit parallel laufendem Programm soll dieses Event die Sammler nach Berlin bringen. Doch der Druck des Kunstherbstes lastet eindeutig auf der ABC. Mit Alexander Schröder, Galerist und Leiter der ABC, sprach Gabriela Walde.

Berliner Morgenpost:

Jetzt also gilt die ABC als Aushängeschild für den Kunstherbst. Begreift sich die ABC jetzt mehr als Messe? Zu Zeiten des Art Forums agierte die Schau ja immer als starke Abgrenzung zur Messe.

Alexander Schröder:

Wir sehen uns als ein innovatives Messeformat, das durchaus auf die Situation auf dem Kunstmarkt reagiert. Da wir ohnehin alle an internationalen Messen teilnehmen, wollen wir gar nicht in ein Konkurrenzverhalten treten. Statt ein klassisches Messeformat mit Kojen zur präsentieren, knüpfen wir an die Stadt an - Berlin steht für neue, experimentelle Möglichkeiten.

Letztes Jahr hatte ABC noch Malerei als Dachthema. Dieses Jahr haben Sie auf ein übergreifendes Thema verzichtet. Warum?

Wir wollen die Galeristen in die Selbstverantwortung entlassen, sie nehmen es nun selber in die Hand und stellen einzelne Künstlerpositionen vor.

Oder ist es nur so, dass die ABC als Zwitterwesen zwischen Messe und Ausstellung einfach nicht mehr funktionierte?

Die ABC entstand ja unter anderem als Auftaktevent vor den großen internationalen Messen, und ergänzte das Art Forum eher thematisch. Durch den Wegfall des Art Forums haben wir nun tatsächlich eine größere Verantwortung. Wir brauchen nun kein Thema mehr.

Sie haben diesmal den Artists Space aus New York eingeladen. Warum ausgerechnet dieses Kollektiv?

Na ja, wir haben indirekt doch ein Thema - und das heißt Berlin. Was macht diese Stadt so einzigartig? Berlin ist ein Produktionsstandort, hier leben und arbeiten mehr Künstler als in jeder anderen Stadt. Berlin ist ein Umschlagplatz in Sachen Kunst. Es ist wichtig, das herauszuschälen. Wir wollen das vertiefen, indem wir das mit Künstlerperspektiven stärken und international verknüpfen. Der Artists Space ist eine solche internationale Institution von Künstlern für Künstler, es gibt ihn seit 25 Jahren. Es gibt ja auch viele Parallelen zwischen New York und Berlin, und der Artists Space ist da ein Bindeglied. Es wird einen "Bazar" geben, eine Vortragsreihe und zwei Interventionen. Im Mittelpunkt stehen Grenzbereiche, Kunstzeitschriften, Modelabels, Architekten, Plattenlabels, ein Schwerpunkt wird der Mittlere Osten sein, und Kunst und Mode. Also eine interessante Ergänzung zur Galerienszene.

Noch gilt das Gallery Weekend im Frühjahr als stärkste Veranstaltung im Berliner Kunstkalender. Wie will sich die ABC da künftig positionieren?

Im Gegensatz zum Gallery Weekend geht es uns bei ABC auch darum, international Kollegen zu motivieren. Weil viele Künstler von ihnen in Berlin zu Hause sind und vor Ort produzieren, haben die Arbeiten oft einen kurzen Weg. Die ABC hat ein ganz eigenes Profil und ist durchaus noch ausbaufähig. Da müssen wir geduldig sein, aber das gehört dazu. In diesem Jahr gibt es erstmalig ein gemeinsames Ticket für alle kostenpflichtigen Veranstaltungen der Berlin Art Week. Und eigentlich haben wir ja bereits in den letzen Jahren versucht, wie beim Gallery Weekend, mit Sammlern und den Institutionen zu kooperieren. Das Gallery Weekend konnte sich durch seine festen und klaren Strukturen sehr gut positionieren.

Elf Institutionen, darunter die C/O Galerie und die Berlinische Galerie, sind mit im Boot der Kunstwoche, - das ist noch nicht der Gipfel der Teilnahme. Ist Berlin zu träge oder war zu wenig Vorlauf für diesen gemeinsamen Termin?

Die Berlin Art Week startet in diesem Jahr. Und auch wenn bereits viele der Institutionen schon in den letzten Jahren zusammen gearbeitet haben, so musste jetzt erst mal eine Auswahl an Teilnehmern getroffen werden, die in dieser Zeit ein spannendes Programm zeigen. Sicherlich werden im nächsten Jahr weitere Institutionen dazu kommen. Man muss aber unbedingt aufpassen, dass es nicht verwässert - die Berlin Art Week muss für Qualität stehen.

Schon letztes Jahr stand die ABC sehr unter Druck, funktionierte nichts so gut wie erhofft. Was macht sie dieses Mal besser?

Wir können nun sehr viel souveräner vorgehen. Letztes Jahr haben wir viel Zeit verloren, bedingt durch die Kooperationsgespräche mit der Messe, bis eben die Reißleine für das Aus gezogen wurde. Dann hing vieles an der Location. Jetzt ist klar, dass wir an einem Ort bleiben, der Station am Gleisdreieck. Wir sind sehr überrascht vom Zuspruch der Kollegen. Es werden 127 Galerien vertreten sein, mit 136 Einzelpositionen, rund die Hälfte kommt aus Berlin. Andere Galerien reisen an aus Wien, New York, Paris, Rom, und auch aus Hong Kong, Seoul und Dubai. Das zeigt doch, dass das Bedürfnis und auch das Interesse da sind.

Gallery Weekend und Berlin Art Week, reicht das denn künftig für Berlin?

Das ist auf jeden Fall schon mal ein guter Weg. Die Berlin Art Week als Saisonstart im September ist sehr wichtig. Es geht darum, ähnlich wie beim Gallery Weekend, dass an einem Strang gezogen wird und Galerien wie Museen zu diesem Termin eröffnen. In der Vergangenheit war es ja so, dass die Institutionen vor dem Art Forum ihre Ausstellungen eröffneten. Nun schafft der Senat mit der Berlin Art Week eine Klammer für den Event. Und das ist gut so.