Film

Beim Thema Treuhandanstalt zieht nur das alte Feindbild

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Hanns-Georg Rodek

Dirk Laabs distanziert sich von seinem Film "Goldrausch"

Die ganz großen, ganz eitlen Regisseure schreiben ihren Namen über den Titel: "Ein Film von...". Ganze Anwaltskanzleien sind in Hollywood damit beschäftigt, mit dem Studio auszuhandeln, an welcher Stelle der Regisseursname steht. Doch bei "Goldrausch", der Dokumentation über die Treuhandanstalt, die am Donnerstag in die Kinos kommt, ist alles anders: Es gibt gar keinen Regisseur. Scheinbar.

Natürlich gibt es ihn. Ohne Dirk Laabs gäbe es den Film nicht. Er wird nur nirgends erwähnt, weder im Vor-, noch im Nachspann. Man hört seine Stimme, wenn er den Ex-Treuhand-Managern Fragen stellt, und man kann das Buch "Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand" (Pantheon, München. 16,99 Euro, 384 S.) kaufen, wo sein Name auf dem Titel prangt. Nur dass dies sein Film ist, bleibt uns verborgen.

Aber ist es noch sein Film? Zu Beginn von "Goldrausch" fährt Klaus Klamroth auf der Autobahn von Heidelberg nach Halle, von West nach Ost, wie der Manager es auch vor 22 Jahren tat, als er die Regionalstelle der Treuhand übernahm, um Hunderte von Betrieben im Bezirk Halle zu privatisieren oder ins marktwirtschaftliche Grab zu stoßen. Der Film, den Dirk Laabs gemacht hat, drehte sich um eine andere Figur: um Detlef Scheunert, den einzigen Treuhand-Direktor, der aus der DDR stammte.

Klamroth war der gestandene West-Manager, der im "Beitrittsgebiet" eine neue berufliche Herausforderung suchte, aber eigentlich nur sein bewährtes berufliches Rüstzeug anzuwenden brauchte. Scheunert kam aus der Planwirtschaft und besaß keine Ahnung von BWL, als er zum Assistenten des Treuhand-Chefs ernannt wurde. Sein Konflikt musste ihn zerreißen. Scheunert ist also die interessantere, weil gespaltene Figur. Als Laabs im vorigen Sommer den fertig geschnittenen Film an seinen Produzenten Thomas Kufus und die anderen Geldgeber (SWR, MDR, NDR) zur Abnahme schickte, stand Scheunert im Mittelpunkt. Doch Kufus und den Sendern gefiel die erste Viertelstunde nicht, zu viel trockene Information über die Treuhand, bemängelten sie, zu viel Scheunert-Lebenslauf. Sie beauftragten den Cutter Andrew Bird (den Schnittmeister Fatih Akins) mit einer neuen Fassung - und brachen damit einen Streit mit Laabs vom Zaun, der das alleinige Recht am Schnitt beanspruchte. Am Ende, nach diversen von Laabs und Bird geschnittenen Fassungen, gab es eine erneute Senderabnahme, die zu Gunsten von Kufus ausging. Laabs zog seinen Namen zurück, und die Parteien verkehren seitdem nur noch per Anwalt.

Laabs erklärt sich alles damit, dass der Markt für diesen Film nicht in West-Deutschland liege, wo sich kein Mensch für die Treuhand interessiere, sondern in der Ex-DDR, wo "Treuhand" weiterhin ein Reizwort sei. Für dieses Publikum solle "Goldrausch" offenbar eine Reizfigur bieten, ein westdeutsches Feindbild, und diese Rolle müsse Klamroth spielen.