Katy Perry

Leerstück einer Prinzessin der grellen Show

Katy Perrys verstrahlter Konzertfilm "Part of Me"

Alle gut drauf. Immer. Nur die Prinzessin darf sich einen Augenblick trauriger Tränen leisten. Vor ihrem Konzertauftritt in Sao Paulo ist sie am Ende, nach 259 Tagen Welttournee hat Katy Perry, die Alice im Wunderland, die grelle Pastorentochter, einen Nervenzusammenbruch - so jedenfalls zeigt es ihr Film "Part of Me", der seit Donnerstag in unseren Kinos läuft und noch den kleinen Untertitel trägt: "Sei du selbst und du kannst alles werden."

Manchmal auf den Höhen ist die Sonne kalt: Die Ehe mit dem Schauspieler Russel Brand hat sich kaputt geflogen. Der Film sagt, Brand habe sich nicht gekümmert. Aber Perry steckt das weg, auf dem Weg zur Bühne wird die letzte Träne vernichtet und das Lächeln wieder angeknipst.

Katy Perry, 27 - 50 Millionen US-Dollar pro Jahr -, vielfach nominiert und ausgezeichnet, hat in den vergangenen drei Jahren eine Pop-Auferstehung hingelegt wie zuletzt nur Lady Gaga oder Justin Bieber. Der Film zeigt Live-Auftritte, Perrys Hits, den missionierten Highschool-Ästhetizismus, dazwischen Passagen aus der Zwischenzone von Backstage und Privatem.

Backstage ist hier leider sehr uninteressant. Da ist nicht viel, es denkt nicht viel im Maschinenraum dieser "California Dreams 2011"-Tournee. Das Tollste ist vielleicht die niedliche Background-Tänzerin, die immer dabei ist, die kleine Weißblonde mit den kurzen Haaren, die ein bisschen ausschaut wie die schwedische Popsängerin Robyn. Gerne möchte man eine Transzendenz hinzufügen.

Perrys zielstrebige Karriereplanung wird in der Erzählung ausschließlich positiv apostrophiert. Gestus: Sie bestimmt sich und weiß, was die Leute wollen.

Perry hat nur Nebendarsteller, da ist kein Gegenspieler in ihrer heilen Märchenwelt; nur die Leere, die sich immer mehr auftut, je bombastischer die Erfolgsstory gerät. Ihre Crew ist dazu da, um zu zeigen, dass sich Perry auch um die kleinen Dinge kümmert. Die Fans sind dazu da, damit Perry zeigen kann, dass sie sich gerne um sie kümmert. Mama und Papa Perry dürfen als bibeltreue Christen ein wenig Skepsis darstellen, vor allem gegenüber dem Smashhit "I Kissed a Girl" ("Ich habe ein Mädchen geküsst / Es hat mir gefallen"); man darf erahnen, dass ihnen die Teilhabe am neuen Reichtum ihrer Tochter nicht unangenehm ist, Amen.

Perry sagt: "Ich fühle mich, als ob ich in einem Wunderland lebe." Am Anfang erzählen junge Fans, dass Katy ihnen zeigt, dass es okay ist, anders zu sein. Dass sie ihnen Kraft gibt. Ein Teenager-Idol. Das Ungesunde ist, dass Katy Perry diese Kinder braucht, um der Darstellung von sich ein Seelenleben zu verleihen. Die Prinzessin schaut in ihr Reich, es ist nur die Leere.