Roman

Ein mühsam sich hinschleppendes Kompaktwissen

Ein Brüderpaar zwischen den Kriegen: Karl und Max Loewe, 1915 geboren, wachsen auf in einem liberalen Berliner Milieu und wandern Mitte der 30er Jahre aus nach Paris.

Karl fühlt sich vom Kommunismus angezogen, was ihn nicht daran hindert, Hitler für sein rhetorisches Talent und dessen Partei für die gut organisierte Schlagkraft zu bewundern. Max findet früh zu Nietzsche, verachtet Politik und strebt vor allem nach sexueller Selbstverwirklichung. Ein bisschen scheint Helmut Krausser bewusst, dass er mit seinen oberflächlichen Bemerkungen weit hinter der komplizierten Historientotale zurückbleibt, die er anstrebt. So schiebt er im Laufe der immer mühsamer sich dahinschleppenden 600 Seiten kleine Geschichtsreferate mit Kompaktwissen ein. Ennuyant, schablonenhaft und schlampig lektoriert.

Helmut Krausser: Nicht ganz schlechte Menschen. Dumont, 5871 Seiten, 22,90 Euro.