Staatsoper

"Dann mal rein in den Hades"

Doch, es tut sich was bei den Bauarbeiten in der Staatsoper: Mit André Schmitz und Regula Lüscher auf der Baustelle

Hinter dem poppigen Bauzaun, den mit Spielszenen bedruckten Sperrholzplatten, die das Opernhaus zur Straße hin abtrennen, sind etwa 70 Journalisten und Abgeordnete zusammengekommen, für eine weitere Begehung der Baustelle. Kulturstaatssekretär André Schmitz ist der Mann mit dem Bekanntgabeton: "Dann mal rein in den Hades!" Für den offiziellen Teil sind andere zuständig, allen voran Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: "Ich darf Sie bitten!"

Im Eingangsbereich gibt es Schuhe und Schutzhelme. Es dauert einen lustigen Augenblick, bis alle die richtige Größe gefunden haben. Dann gibt es eine Einführung über den aktuellen Stand der Bauarbeiten und eine Erklärung zum Problem mit den Holzpfählen. Danach einen Rundgang durch das Haupthaus und dessen ausgeweidetes Innenleben.

Dass die Berliner Staatsoper Unter den Linden nicht vor Oktober 2015 wiedereröffnet wird, steht fest. Die Verzögerung war Ende Mai bekannt geworden, nachdem Bauleute bei der Sanierung des Hauses Pfahlbauten aus dem 18. Jahrhundert im Untergrund entdeckt hatten. Diese behindern die Isolierung des geplanten Verbindungstunnels zwischen Opernhaus und Magazingebäude gegen Grundwasser. Weil die Hölzer nicht entfernt werden können, muss nun eine dickere Betonsohle in einem aufwendigen Verfahren eingezogen werden.

André Schmitz, der vorweg geht, ist nicht hier, um zu erklären. Schmitz hat Geburtstag. Der Abend gestern, sagt er, sei lang gewesen, später im Ausschuss werde ja alles ganz genau dargelegt. "Ich hoffe, Ihnen sind die vielen Bauarbeiter aufgefallen", sagt Schmitz, etwas weiter abseits der Gruppe, einem CDU-Abgeordneten, der höflich gratuliert hat und zwinkert ein bisschen. Es arbeiten heute tatsächlich nicht sehr viele auf der Baustelle. Später, in der Kulturausschusssitzung, wird der CDU-Mann sagen, die Tätigkeit auf der Baustelle lasse zu wünschen übrig. Und davon animiert, wird die SPD-Fraktion anfragen, mit wie vielen Arbeitern täglich kalkuliert wird, damit die Baustelle zum neuen Termin auch wirklich fertig werden könne.

Die Folgedebatten um den Flughafen BER haben eine nervöse Empörung aufgerissen, das Misstrauen in die Bauplanungen ist groß. Regula Lüscher weiß, dass sie hier stellvertretend sitzt für allen Bauverzögerungsärger der letzten Monate. Und sie wird sagen, dass alle Fragen beantwortet werden, dass einige Antworten etwas Zeit brauchen, "dass natürlich während einer Begehung die Arbeit an der Baustelle teilweise ausgesetzt wird."

Den Hinweis, es könnten auf einer solch großen Baustelle nun mal unvorhergesehene Probleme auftreten, testet Lüscher am Anfang der Sitzung, dann beschränkt sie sich auf Defensivarbeit. Es braucht Bauerfolge. Für Unvorhergesehenes gibt es keinen Spielraum, auch wenn es gut erklärt ist.

Die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert spekuliert über das Fernbleiben vom Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit, ob der sich also auch vor dieser Baustelle drücken würde. Die Piratenfraktion wirkt unbeteiligt. Getwittert wird eben mittendrin und nicht nebenbei. Und Christopher Lauer, der "auch noch mal festhalten will", dass Wowereit heute nicht gekommen ist, stellt unterdessen Fotoaufnahmen der Baustelle ins Netz, zynische Kommentare ("sieht alles schon sehr fertig aus") und ist auch sonst aufklärerisch unterwegs: "Der Kulturausschuss war mal wieder unbeschreibbar absurd."

Am 3. Oktober 2015, zum Einheitstag, soll die neue alte Staatsoper fertig sein. Keine weitere Terminänderung. "Das neue Datum muss unbedingt eingehalten werden", legt André Schmitz nach, "im Oktober oder November werden wir verlässliche Zahlen zu den Baukosten bekannt geben." Gleiches gilt für die Frage, ob die Einnahmeausfälle für die Spielzeit 2014/15, entstanden durch die geringere Kapazität der Ausweichspielstätte Schiller-Theater, allein von der Stiftung Oper in Berlin getragen werden soll: "Wird im Rahmen der nächsten Haushaltssitzung der Staatsoper diskutiert", sagt Schmitz.

Staatsopern-Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm hatten trotz der Umplanung eine frühere Eröffnung gefordert und den Betrieb im Opernhaus bereits im Oktober

2014 aufnehmen wollen. Hätte man die Verzögerung verhindern können? "Nein", sagt Regula Lüscher, "wenn das Bauvorhaben in seiner Ambition bestehen bleiben soll, hier durch Grundsanierung 50 Jahre lang allen Anforderungen zu genügen, ist ein Aufschub unumgänglich."

Die Gefahr eines Baudesasters sieht die Bauleitung nicht. Aber sie sind, angesichts der Resonanz, einigermaßen vorsichtig.