Thomas Steinfeld

Literarischer Mord: Autor erkennt Figur als Selbstporträt

Der Autor des Schweden-Krimis "Der Sturm", Thomas Steinfeld, erkennt in der Figur des Mordopfers auch ein Selbstporträt.

"Da stecke ich drin, in hohem Maße", sagte er dem Nachrichtenmagazin Focus. Das Buch ist vor seinem Erscheinen am 23. August in die Kritik geraten. Ein Grund ist, dass darin ein deutscher Chefredakteur ermordet wird und das beschriebene Opfer Züge des Mitherausgebers der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, tragen soll. Steinfeld ist Feuilleton-Chef der "Süddeutschen Zeitung" in München. Er veröffentlicht den Roman unter Pseudonym.

Im Nachrichtenmagazin "Spiegel" wird Steinfeld mit den Worten zitiert, der im Buch ermordete Chefredakteur sei "ein Amalgam aus vielen schillernden Charakteren" und habe nichts mit realen Personen zu tun. Ihn empöre "dieser Fanatismus, mit dem ausgerechnet das Feuilleton, das es doch besser wissen müsste, hier Fiktion und wirkliches Leben miteinander vermengt."

Der Schriftsteller Martin Walser wies in einem Interview der "Bild am Sonntag" Vergleiche mit seinem 2002 veröffentlichten Roman "Tod eines Kritikers" zurück. "Wirkliche Morde kommen bei mir nicht vor. Dafür bin ich viel zu zivil", so Walser. Der angebliche Mord in seinem Buch sei "reine Medienphantasie" gewesen. Walsers Beschreibung war damals als Rache an dem großen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki interpretiert worden.