Interview mit Colin Farrell

In Schwarzeneggers Fußstapfen

Colin Farrell über seinen neuen Film "Total Recall" und Versagensängste. Ein Treffen in Berlin

Colin Farrell ist tapfer. Das muss er auch sein. Im Remake von "Total Recall", das am Donnerstag in die Kinos kommt, spielt er die Rolle, die vor 22 Jahren Arnold Schwarzenegger gespielt hat. Jetzt wird er natürlich ständig auf seinen Vorgänger angesprochen. Weil sich im Film Kate Beckinsale und Jennifer Biel um ihn reißen, werden ihm aber auch so dämliche Fragen gestellt wie die, welche Dame er privat bevorzugen würde. Es ist nicht immer leicht, ein Star zu sein. Aber der 36-Jährige lässt sich nichts anmerken. Peter Zander hat den Star im Hotel Adlon gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Herr Farrell, Sie müssen so 14, 15 Jahre alt gewesen sein, als 1990 "Total Recall" ins Kino kam. Haben Sie ihn damals im Kino gesehen?

Colin Farrell:

Ich war 14, als er rauskam. Ich habe ihn aber erst mit 16 gesehen, daheim, auf Video, dafür aber gleich fünf, sechs Mal. Neben "Robocop" ist das mein absoluter Lieblingsfilm von Paul Verhoeven. .

Und was war dann Ihre erste Reaktion, als Sie das Angebot für das Remake bekamen?

Ich habe gelacht. Aber ich war, gerade weil ich so ein Fan war, auch sehr skeptisch: Durfte ich das tun?

Und? Durften Sie?

Die Entscheidung kam, als ich das Drehbuch gelesen habe. Es hatte Ähnlichkeiten, natürlich, war aber doch total anders. Da sind so viele neue, eigene Tonarten, dass ich darüber Paul Verhoevens Version völlig vergessen habe. Da ist, glaube ich, genug Platz für beide Filme.

Und wie war das, in Arnold Schwarzeneggers Fußstapfen zu stecken?

Ich hege die Hoffnung, dass mir niemand vorwerfen kann, ich hätte ihn imitiert.

Haben Sie je mit ihm darüber gesprochen?

Nein. Kann sein, dass er wichtigere Dinge im Kopf hat, als mit mir darüber zu sprechen. Ich habe ihn mal vor Jahren gesprochen, aber seither nicht wieder.

Neben "Total Recall" kommt derzeit eine ganze Flut an Remakes und Fortsetzungen aus Hollywood. Haben die großen Studios keine Ideen mehr?

Ach nein. Remakes hat es doch immer schon gegeben, und es ist albern, einen Film nur danach zu beurteilen. Du siehst jede Woche neue Originalfilme und hast doch das Gefühl, alles schon x-mal gesehen zu haben. Dann wieder siehst du einen Film wie John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt", der ganz einzigartig ist - und doch auch nur ein Remake.

Was mögen Sie lieber: Actionknaller oder kleinere Arthouse-Produktionen?

Beide sind so verschieden, dass man sie eigentlich gar nicht vergleichen kann. Das eine bringt vielleicht etwas mehr Ruhm, wenn man das braucht, auch etwas mehr Geld. Das andere spricht vielleicht mehr dein Herz oder dein Hirn an. Actionfilme sind vor allem eine körperliche Herausforderung, das kann ganz schön erschöpfend sein. Für "Total Recall" musste ich drei Monate lang trainieren, drei, vier Stunden täglich. Andererseits: In "Triage" - ein toller Film, den nur leider keiner gesehen hat - spielte ich einen Kriegsreporter mit posttraumatischem Schock, das war eigentlich viel anstrengender. Ich musste dafür ziemlich abnehmen, war schlapp und abgezehrt. Und das Schlimme: Du musst so weit wie möglich in deiner Rolle bleiben. Wenn du einen Nervenzusammenbruch spielst, kannst du zwischendurch nicht gemütlich Kaffee trinken.

Also im Zweifel - weder noch?

Nein, am besten wäre wohl ein Mix aus beiden. Eigentlich bin ich ganz schön verwöhnt, oder? Ich meine, die absolute Mehrheit von Schauspielern hat überhaupt keine Wahl, die müssen nehmen, was sie kriegen - wenn sie überhaupt was kriegen. Aber da ich schon die Wahl habe: Ich habe jetzt sieben, acht Jahre keinen Actionfilm gemacht, ich war wohl offen dafür. Ich würde aber nicht zwei so große Filme direkt nacheinander drehen wollen.

Wieso? Hat man bei großen Filmen mehr Versagensängste?

Nein, nicht wirklich. Ich habe gehört, der neue "Batman" sei bislang nicht so gut gelaufen, wie man das erhofft hat. Aber bei all den Millionen, die er bisher eingespielt hat, würde ich das keinen Reinfall nennen. Insofern stimmt es: Es gibt spürbar mehr Druck, weil alle nur am ersten Wochenende auf das Box Office gucken. Du würdest lügen, wenn du behauptest, dass dich das kalt ließe, wenn dein Film 125 Millionen gekostet hat. Aber das ist so fatalistisch, ändern kannst du ja eh nichts mehr.

"Total Recall" ist ein Film über echte und falsche Erinnerungen. Gibt es irgendwelche Erinnerungen, an die Sie nicht so gern zurückdenken?

Nein, damit befasse ich mich nicht groß. So was lasse ich hinter mir. Ich versuche, so gut wie möglich im Hier und Heute zu leben. Ich glaube, die Vergangenheit möchte zu Bett gebracht werden. Sie will zwar respektiert und nicht vergessen, aber doch allein gelassen werden und verschwinden dürfen.

Haben Sie so auch Ihre Suchtprobleme in Hollywood hinter sich lassen können?

Hollywood hatte nichts damit zu tun. Die Probleme, die ich damals mit mir hatte, hatte ich schon lange, bevor ich in die USA ging. Ich halte auch nichts davon, immer nur der Gesellschaft oder schlechten Einflüssen die Schuld für Sachen zu geben, die in deinem Leben schief laufen. Es ist ja nicht die Gesellschaft, die entscheidet, wie du mit bestimmten Dingen umgehst. Das ist deine Sache.

Ihre Filmfigur weiß ab einem bestimmten Punkt nicht mehr, wer sie wirklich ist. Gibt es da Parallelen zum Leben als Filmstar: dass alle glauben, einen zu kennen, das aber gar nichts mit einem zu tun hat?

Ich verstehe mich nicht als Filmstar, das Problem stellt sich mir so nicht. Klar gibt es da Archetypen, die wir erfüllen, ob wir wollen oder nicht. Aber es sind einfach zwei total verschiedene Sachen, ein Leben zu leben oder auf ein Leben zu schauen. Ich hatte in den letzten zehn oder zwölf Jahren in unterschiedlichen Wellen immer mal wieder Bedenken, aber ich habe irgendwann beschlossen, mich nicht so sehr damit zu beschäftigen, wie andere mich wahrnehmen könnten. Es ist ja sowieso alles ein großer Fluss an Wachsen und Verändern. Es geht darum, wie ich mich wahrnehme.