Bildband

Shooting Star der New Yorker Photoszene

Nackt steht die junge Frau da und hat keinen toten, sondern einen höchst lebendigen Wolf um den Hals geschlungen. "Die mit dem Wolf tanzt" müsste dieses Foto von Ryan McGinley eigentlich heißen und damit auf einen Spielfilm anspielen, mit dem ein gewisser Kevin Costner 1990 berühmt wurde. McGinley, der sein Foto schlicht "India (Coyote)" nennt, ist nämlich ein Kind der Neunziger und deren Lebensgefühl. Seine Bilder spiegeln die scheinbare Unbeschwertheit der Clinton-Jahre in Amerika wieder und wirken meist wie gelungene Collegefotos. Dass es sich um so klug choreografierte wie aufwendig komponierte Aufnahmen handelt, merkt man erst beim zweiten Blick, was von der Meisterschaft dieses Fotografen zeugt, der mit seinen Anfang 30 der bisher jüngste Künstler ist, dem das New Yorker Whitney Museum eine Einzelausstellung gewidmet hat.

Ryan McGinley: Whistle for the Wind. Schirmer/Mosel, 240 S., 166 Abb., 49,80 Euro.