Ausstellung

Skulpturen aus Gummi und Gips im Kolbe-Museum

Ein schwarzes Band spannt sich von Wand zu Wand. Von einer Seilwinde gezogen, dehnt sich der Gummi. Er bildet schwebende Skulpturen, tanzt sanft in der Luft.

Begleitet vom leisen Surren der Winde und ab und zu kurzem Ächzen. Warum auch immer. "Twist - stretch - locate" nennt sich die minimalistisch prozesshafte Einlassung von Ilona Kálnoky in der Kunstkammer des Georg-Kolbe-Museums. Ein ephemeres Zeichen im Raum und Einladung zur Körperwahrnehmung.

Man verfolgt die Bewegung des schmalen Gummibandes, das geometrische Formen wie Linie und Oval vorführt und mit Durchblicken spielt. Zeitliche Prozesse verändern das Bild. Die Übergänge von einer Form in die andere sind fließend. Der Beobachter fragt sich: Was wird passieren? Wo führt das Stretching hin? Wer sich aus der Kammer abwendet, dessen Blick schweift über die statischen Skulpturen von Kolbe und Co., die gleichwohl oft Bewegung thematisieren.

Für diese 16. Ausgabe junger Kunst in der Kammer hat Ausstellungsleiter Marc Wellmann die Österreicherin Ilona Kálnoky eingeladen. Sie studierte bei Karin Sander, Minimalistin auch sie, an der Kunsthochschule Weißensee. Vieles entstehe aus blanker Neugierde, wie die Dinge zueinander stehen, meint die 44-Jährige und dass ihre Objekte durch die Begegnung von Leib und Raum entstünden. Formen und Materialien lösen bei ihr Assoziationen aus, die sie umsetzt in gestische Werke. Bei anderer Gelegenheit griff sie etwa zum Gips und warf ihn an die Wand, wo er als Relief kleben blieb. "Skulptur ist immer, wie ich etwas empfinde." In ihrer aktuellen Arbeit für die Kunstkammer verändert die skulpturale Erscheinung zwar auch ihre Gestalt, aber nicht den Aggregatzustand. Hier wird nichts bröckeln, dafür ist die Geste diesmal elegant. Es zeigt sich eine spielerische Leichtigkeit, die der Schwerkraft ein Schnippchen schlägt.

Kolbe-Museum Sensburger Allee 25, Charlottenburg. Di-So, 10-18 Uhr. Bis 21.10.