Ausstellung

Generationenporträt zwischen YouTube, Party und Altöl

Carline Mohr

Eine verrostete Tonne, gefüllt mit Altöl. Sie steht auf einem Basslautsprecher, der alle halbe Stunde anspringt, Lärm und Bewegungen macht, sodass das Öl hoch spritzt.

Bedrohlich, explosionsartig. Dieses Kunstwerk von Ekaterina Burlyga ist in der Ausstellung "Handlungsbereitschaft - Skizze einer Generation am Ende der Geschichte" zu sehen. Die Altöl-Tonne soll die Ästhetik des Feierns versinnbildlichen. Sagt jedenfalls eine der Kuratorinnen, Mona El-Bira. "Dieser Öl-Kubus zeigt die Faszination am Kaputten. Wenn man heute feiern geht, sind die Clubs ja auch oft ein bisschen schäbig, aber genau dadurch werden sie interessant." Diese besondere Note der Partykultur sei ein typisches Merkmal der Generation der 20- bis 30-Jährigen.

Genau um die geht es. 26 Künstler charakterisieren in ihren Werken die eigene Generation. Eine zerbrochene Diskokugel liegt in einer Ikea-Tüte, ein junger Mann hat sich selbst dabei gefilmt, wie er YouTube-Videos guckt, ein anderer hat seine intimsten SMS der letzten Monate auf ein Plakat geschrieben. Werke, die die Digitalisierung der Gesellschaft aufs Korn nehmen, die Entprivatisierung, das Verschwimmen von Privatem und Öffentlichen. "Es geht darum, dass die Gesellschaft überfordert ist. Es gibt zu viele Möglichkeiten, auch durch das Internet. Das führt dazu, dass viele keine Verantwortung mehr übernehmen, die über sich selbst hinaus geht", sagt Mitkurator Julian Malte Schindele. Das Kuratorenkollektiv bestehend aus Julian Malte Schindele, Mona El-Bira und Madleen Stange hat "Handlungsbereitschaft" schon 2011 ins Leben gerufen. Sie wollen immer mehr Künstler aufnehmen, so dass die Perspektiven auf die junge Generation noch vielschichtiger werden. "Manchmal wirft man uns Kulturpessimismus vor", sagt Mona El-Bira. "Aber wir finden, dass Kunst eine guter Versuch ist, unsere Generation zu definieren. Sie lässt Spielraum für eigene Interpretationen."

Die Ausstellung Kunstsäle Berlin, Bülowstr. 90, Schöneberg. Tel. 030/ 83031251

Bis 2. September, Mi-So 11-18 Uhr.