Gemäldegalerie

Protest von 12.000 Experten

Anfrage an Bernd Neumann: Der Streit um die Gemäldegalerie erreicht nun auch den Bundestag

Die Proteste gegen die geplante Rochade der Alten Meister auf die Museumsinsel nehmen nicht ab. Selbst internationale Museumsdirektoren zeigen sich irritiert. Rund 12.000 Fachleute aus aller Welt protestieren per Internet-Petition des renommierten Kunsthistorikers Jeffrey Hamburger gegen diese "Ausverkauf" der Gemäldegalerie am Kulturforum.

Der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Michael Eissenhauer, ließ jetzt erstmals definitiv verlauten, dass es keine Umnutzung der Gemäldegalerie geben wird, solange "kein bestätigter Zeit- und Finanzierungsrahmen" für den Erweiterungsbau auf der Insel steht. Fixe Zusagen oder Garantien aber will er nicht geben. Derzeit soll erst einmal eine Machbarkeitsstudie klären, wie die Gemäldegalerie künftig umgerüstet werden könnte. Ein Beispiel: Die millionenschwere textile Wandbespannung verträgt sich kaum mit den modernen Präsentationsformen der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Es bleiben noch viele Fragen offen. Welche Pläne gibt es für eine rotierende Präsentation der Alten Meister? Wie konkret sind die Pläne für den Erweiterungsbau tatsächlich? Priska Hinz, haushaltspolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen, hat nun eine Anfrage im Bundestag gestellt, die dem Kulturstaatsminister dieser Tage auf dem Schreibtisch liegen wird.

Sie kritisiert das Verfahren: "Eine Machbarkeitsstudie hätte man schon davor durchführen sollen. Ich verstehe an dieser Stelle die Bundesregierung nicht. Wenn sich das Verfahren ohnehin bis Herbst hinzieht, hätte man die 10 Millionen Euro im Juni nicht beantragen müssen. Das ist eine merkwürdige Art, eine Debatte anzustoßen". Politisch glaubhaft wäre es für sie gewesen, die Öffentlichkeit vor einer Entscheidung einzubinden.

Für sie ist zudem die Kritik nachvollziehbar, wonach die Alten Meister quasi von der Klassischen Moderne vom Kulturforum verdrängt werden. Sie bemängelt auch hier die Vorgehensweise. "Wir wurden im Haushaltsausschuss erst am Abend vor der Abstimmung mit dem Antrag konfrontiert. Hier wurde mit etwas zu heißer Nadel gestrickt. Die jetzt laufende Debatte in der Öffentlichkeit ist notwendig und muss weiter intensiv geführt werden", betont Hinz. Unverständlich sei für sei auch die "scheuklappenartige Konzentration auf das Humboldt-Forum", "angesichts der Verschiebungen bin ich gespannt, welche Großprojekte in den kommenden Jahren Priorität haben sollen".

Dem Masterplan der Stiftung kann diese Debatte durchaus helfen. Inhaltlich stärkt sie die Vision der Stiftung, politisch hat sie den Druck jetzt bereits erhöht. Bernd Neumann wird nun in den nächsten Tagen schauen müssen, ob er Antworten auf diese Fragen findet.