Bildbände

In Bildern lesen

Für den Liegestuhl oder für das Sofa zu Hause: Die schönsten Bildbände und eine kleine Lektüre zum Durchblättern. Ein Streifzug durch Architektur, Fotografie, Kunst. Und eine Anleitung zur stimmungsvollen Tea-Party gibt es auch

Faulenzen mit der Kamera von Elliott Erwitt

Wir sind leider nicht in Saint Tropez und können uns nicht in der Sonne aalen. Die blonde Lady hat gut lachen. Wir müssen uns stattdessen mit dem Durchblättern des fantastischen Katalogs "Personal Exposures" von Elliott Erwitt begnügen. Erwitt schießt geniale Schwarzweiß-Bilder. Ja, er hat Stars wie die Monroe fotografiert und Grace Kelly, Muskelprotz Arnold Schwarzenegger in dessen jungen Jahren und die verschleierte Jackie Kennedy bei der Beerdigung ihres Mannes John F. Aber genauso gut "No names", Hochzeitspaare in Sibirien, Sonnenanbeter am FKK-Strand oder den Arzt um die Ecke. Er pickt mit der Kamera Humorvolles, Absurdes genauso auf wie Melancholisches. Der GroßstadtBohemien Charles Baudelaire ätzte für sein Leben gern, über die Fotografie sagte er einmal: "Sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler der Unbegabten und Faulen." Der Mann, muss man sagen, irrte gewaltig.

Elliott Erwitt: Personal Exposures, Fotografien 1946-1988. Schirmer-Mosel, 256 S., 49,80 Euro

Michael Jackson, Sex und Luftballons: Koons zum Anfassen

Selbstporträt mit der Porno-Gattin/-Göttin Ilona oder Michael Jackson samt Äffchen als güldene Porzellanfigur: Jeff Koons brachte es mit Sex & Kitsch zum Kunst-Superstar. Seine kolossalen Skulpturen, die oft wie aufgeblasene Luftballons aussehen, die wahlweise aus poliertem Edelstahl, Plastik oder Holz gemacht sind, kann man lieben oder hassen. Der zweibändige Katalog "The Painter and the Sculptor" ist definitiv etwas für Koons-Fans, die sich nicht satt sehen können an seinem Oeuvre, dass mit Malerei und Skulpturen vielfältiger ist, als man es unter den glitzernden Oberflächen zunächst vermuten würde. Da ist alles drin und dran an einträglichen Themen der Gegenwart: Banalität, Konsum, Gewalt und und und. Wer die Doppelausstellung in Frankfurt/Main nicht sehen kann, ist mit diesem gut gemachten und hervorragend geschriebenen Pop-up-Zweiteiler bestens bedient. Man möchte sagen: Koons for ever.

Jeff Koons: The Painter and the Sculptor. Hg. v. Max Hollein, VInzenz Brinkmann u.a. Hatje Cantz, 2 Bde., 392 S., 49,80 Euro

Was alles zu einer gelungenen Teezeit dazugehört

Kein Tee ohne Gebäck, keine Teatime ohne verschnörkeltes Teeservice und schon gar nichts ohne eine Prise britischen Humor - Carolyn und Chris Caldicott erklären nicht bloß die Zubereitung der perfekten Tasse Tee, das wäre etwas zu dünn. Denn zur klassischen englischen Teezeit gehören natürlich noch eine ganze Menge Teezeit-Accessoires. Und denen widmet sich das britische Journalistenpaar - das ansonsten vor allem mit Reisereportagen reüssiert - in "Vintage Tea Party" mit nostalgischer Verve und einer Liebe bis ins allerkleinste Detail: Tischdecken, Teekannen, Teewärmer usw. Teefans und gute Gastgeber werden ihre Freude haben an den minutiös ausgearbeiteten Rezepturen für den geselligen Genuss in allen Variationen. Das Buch der Caldicotts ist eine schön modellierte und bebilderte Einführung in die feine Gesellschaft des Empires und die dort gepflegte Tradition einer authentischen Teezeit.

Carolyn & Chris Caldicott: Vintage Tea Party Verlag Freies Geistesleben, 127 Seiten, 18,90 Euro

Auf den Spuren von Fontanes "Wanderungen"

Sechzehn ausführliche Beiträge dokumentieren das Schicksal der brandenburgischen Schlösser und Gärten während der DDR-Zeit, stellen Fragen zur Nutzungsgeschichte und Denkmalpflege und lassen die restaurativen Erfolge an Schlössern, Gärten und Denkmälern aus den vergangenen Jahren aufscheinen. Auch die heute zu Berlin gehörenden Gutshäuser und Gärten werden genauer betrachtet. Das Buch erscheint zum zwanzigjährigen Bestehen des "Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark", der sich nun schon seit 20 Jahren für den Erhalt der märkischen Kulturlandschaft einsetzt. Der unter der Anleitung von Herausgeberin Sibylle Badstübner-Gröger entstandene Band ist aufwendig illustriert. Herausgekommen ist ein detaillierter Alternativ-Reiseführer durch die Mark Brandenburg - möglicherweise auch als historisches Tiefensupplement zu Theodor Fontanes "Wanderungen".

Sibylle Badstübner-Gröger (Hg.): Schlösser, Herrenhäuser, Burgen und Gärten in Brandenburg und Berlin. Lukas Verlag Berlin, 264 Seiten, 29,90 Euro

So wollte der Kaiser Berlin zur schönsten Stadt der Welt machen

"Die schönsten Bauten hat das späte Kaiserreich in Deutschland der Justiz gebaut", notiert der Schriftsteller Rainald Goetz im April 2008, auf dem Weg durch Berlins Mitte, in sein Tagebuch "Klage". Das findet auch der Buchautor Matthias Barth, dessen neuer Bildband einen staunen lässt, was in den Innenräumen der Berliner Architektur aus der Kaiserzeit an Opulenz und Herrlichkeit alles noch vorhanden ist. Barth entwirft in 15 ausführlichen Kapiteln eine Skizze der Epoche, mit repräsentativen und gut erhaltenen Beispielen der verschiedenen Architekturgattungen. Die schön gearbeiteten Buchseiten mit auffallend guten, mitunter ganzseitigen Farbaufnahmen, zeigen die Pracht jener Zeit, in der Kaiser Wilhelm II. den flotten Wunsch äußerte, Berlin zur schönsten Stadt der Welt machen zu wollen. Matthias Barths Katalog lässt die oft an entlegenen Orten oder einbuchtungsartig versteckten Schätze in würdiger Weise aufleuchten.

Matthias Barth: Kaiserliches Berlin - Architektur zwischen 1871 und 1918, Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, 335 Seiten, 39,90 Euro

Knallbunte Hommage an die Heimat von David Hockney

Seine Bilder sind jetzt so farbenfreudig wie die Kostümierung der Queen: Der neueste David-Hockney-Katalog "A Bigger Picture" ist eine knallfarbene Liebeserklärung an Hockneys Heimat Yorkshire. Der Blick geht über sanft ansteigende Felder und weite, von Hecken begrenzte Flächen in der Hockneytypischen Farbfacon. Traktoren haben im jungen Getreide lange, ungerade Spuren hinterlassen. Die Lebendigkeit der figurlosen Landschaften ist überwältigend. Die Stimmungen der nordenglischen Landschaft in eine gutgelaunte Grellheit transformiert. Und trotz Hockneys Anspielungen auf die alten Meister sind seine Arbeiten von großer Fortschrittlichkeit; der Maler, der von neuen elektronischen Entwicklungen immer fasziniert war, malt nicht nur mit Pinsel und Farben, sondern auch mit dem iPad. Die Zeichnungen, die mit der sogenannten "Brush App" entstehen, fügt er zu großen Panorama-Bildern von bis zu zwölf Metern Breite zusammen.

David Hockney: A Bigger Picture Hirmer Verlag 303 Seiten, 39,90 Euro

Bunter Hund in Berlin

Wolf Vostell, seines Zeichens Fluxus-Künstler, war in Berlin ein bunter Hund. Seine in Beton eingegossene Cadillac-Skulptur in Charlottenburg kennt fast jeder. Sein Sohn hatte hier eine Galerie. Seine Frau Mercedes hat sich lange an den Schreibtisch gesetzt und eine Biographie ("Ein Leben lang") herausgegeben, die Künstlerisches, Privates und Zeitgeschichtliches spannend vermischt, vom ersten Happening in Berlin bis zu seinem Tod 1998. Hommage an eine Zeit, als Kunst noch provozieren konnte.