Young euro classic

Junge Musiker aus Singapur spielen zwei heimische Häppchen

Das Nationale Jugendorchester aus Singapur, zu Gast beim "young euro classic"-Festival im Konzerthaus, eröffnete sein Programm ausgerechnet mit einem Schlussstück: Rimski-Korsakows "Scheherazade", einer dreiviertelstündigen Erzählung.

Erst nach der Pause führte Darrell Ang, der aufmerksame Dirigent des Abends, sein Orchester, wie vorgesehen, heim in die Gefilde von Singapur und tischte nationale musikalische Heimatkost auf, leider allerdings nur in zwei kleinen Häppchen, alle beide allerdings für den "Europäischen Komponistenpreis" nominiert. Zechariah Goh stiftete mit seinem Klangpoem "Nuances" musikalische "Mitteilungen aus einem fernen Land", das allerdings gar nicht so fern lag, wie man es sich vorgestellt hatte. Es rüttelte sich in Gemessenheit zu musikalischer Distinktion auf, nutzte alle Quellen der Herkömmlichkeit auf durchaus ansprechende Weise. Beinahe ließ es Rimski-Korsakow nachträglich als den zeitgemäßeren Komponisten erscheinen.

Goh hatte ausführlich im amerikanischen Kansas studiert und sich dabei offenbar die zeitgemäße musikalische Allerweltssprache angeeignet, nicht viel anders als sein etwas älterer Kollege Kelly Tang, der gleichfalls fern der Heimat, nämlich in Toronto, studiert hatte. Auch seine "Suite über volkstümliche Melodien" klang nicht deutlich nach Singapur, sondern erwies sich als geschickte Aufschnapperei des gerade Aktuellen und Geläufigen. So blieb eigentlich nur das gemäßigte Vergnügen am ausgezeichneten Orchesterspiel, dem Darrell Ang vom Pult aus aber auch keine besondere Intensität zu geben vermochte, keine Vision, keine dramatische Anschaulichkeit.

Er schlug mit Sorgfalt den Takt und sorgte für die richtigen Einsätze. Alles andere blieb den Musikern überlassen, der feinsinnigen und griffsicheren Konzertmeisterin, dem ausgezeichneten Fagottisten und den anderen Bläsern. Vielleicht ist es nun doch an der Zeit, die Fäden dieses ruhmreichen und höchst erfolgreichen Unternehmens, das da "young euro classics" heißt, wieder fester und aufmerksamer in die Hand zu nehmen. Bekanntlich läuft nichts von allein, nicht einmal der nachhaltig störrische Fahrstuhl im Konzerthaus.