Bühne

"Foreign Affairs": Ein Pianist spielt drei Wochen lang Klavier

Die Zeit des Repräsentativen ist vorbei: Mehr Festival, mehr Genreüberschreitungen, mehr Entdeckungen kündigt Kuratorin Frie Leysen für "Foreign Affairs" an.

Es ist die erste große programmatische Neuerung unter Thomas Oberender, der seit Januar die Berliner Festspiele leitet. Am 28. September startet das "internationale Festival für Theater und performative Kunst", das die "Spielzeit Europa" ersetzt. Die hatte sich über mehrere Monate erstreckt und auf prominente Künstler gesetzt. Große Namen seien nicht gleichbedeutend mit großer Kunst, erklärt Frie Leysen irgendwann in ihrer recht ausführlichen Programmvorstellung; ein kleiner Seitenhieb auf die Vorgängerreihe.

19 Künstler aus 15 Ländern sind im Rahmen von "Foreign Affairs" zu Gast in Berlin, darunter der japanische Architekt Kyohei Sakaguchi, der im Sinne seiner Zero-Yen-Philosophie ein mobiles Haus aus Materialien baut, die andere wegwerfen. Es wird vor dem Festspielhaus an der Schaperstraße errichtet - und bespielt. Der italienische Pianist Marino Formenti zieht dort für drei Wochen ein. Er wird den ganzen Tag Klavier spielen (Kompositionen von Cage, Feldman und Couperin, die in ihrer Musik den Fokus auf den Moment legen) und damit auch der Frage nachgehen, was Zeit ist.

Der Berliner Schauspieler Fabian Hinrichs stellt bei dem neuen Festival seine erste eigene Produktion vor. Er hält am 20. Oktober einen "musikalischen Monolog über die ganz großen Fragen": "Die Zeit singt dich tot", die Musik steuert Gitarrist Jakob Ilja (Element of Crime) bei. Und weil mit diesem Programm auch eine Verjüngung des Publikums angestrebt wird, wurden die Preise gesenkt: Zwischen zehn und 25 Euro kosten die Karten.