Kleinkunst

Paarungsverhalten am Amazonas

Fast wie bei Loriot: Komödiant Eckart von Hirschhausen stellt sein neues Buch vor

Dieses schöne Spiegelzelt. So herrlich kitschig, schwülstig und eigentlich viel zu heiß für den Sommer. Das war schon immer so, gehört also irgendwie auch dazu. Rot und Blau, die Farben einer guten Nacht. Davor der kleine Garten mit Springbrunnen und dem knirschenden Kies unter den Schuhen. Innen schwirren Kellner um ihre Gäste herum. Einer mit Ohrringen, schmal und einem androgynen Gang. Trotzdem schafft er zehn Getränke auf einem Tablett. Seine Stimme ist immer schnippisch. Er bringt Weißwein für die Damen und Weizenbier für die Herren. Eine Hand lugt hinter dem Vorhang hervor und die Vorstellung beginnt. Der Komödiant Eckart von Hirschhausen betritt die Bühne der Bar jeder Vernunft in Wilmersdorf. Er setzt sich und beginnt zu lesen.

Von Hirschhausen hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist". Und es vereint diese Art von Texten, die man an ihm schätzt, weil er ja früher mal Mediziner war. Also was zu lachen, und dazu zitiert er immer Psychologen, Ärzte, oder irgendwelche Studien aus Wissenschaftsmagazinen wie beispielsweise "Science". Das ist erstens unterhaltsam und zweitens auch ein bisschen lehrreich. Weil man nicht nur was über das eigene Paarungsverhalten und Liebesleben lernt, sondern auch über das von Fischsorten aus dem Amazonas. Dazu wird der Abend auch noch aufgenommen, der kommende ebenfalls. So hat Eckart von Hirschhausen ein Hörbuch und kann dazu noch Eintritt nehmen. Im September sollen dann Buch und Hörbuch erscheinen.

Ein Anti-Comedian

Ehrlich gesagt, ist es unglaublich angenehm, mal einen Menschen zu treffen, der lustig ist und dabei nicht rumspringt, der keine doofen Grimassen macht und nicht jeden Satz mit "icke" anfängt und mit "meine Freundin" zu Ende führt. Eckart von Hirschhausen ist so eine Art Anti-Comedian, der mehr doziert als Zoten reißt und vielleicht ist er gerade deshalb so witzig.

So erfährt der Besucher in der Bar jeder Vernunft beispielsweise viel über das Oxytocin. Das ist ein Hormon, welches bei der Geburt, der Mutter-Kind-Bindung, aber auch im Verhältnis zum männlichen Geschlechtspartner eine Rolle spielt. Über die Muttermilch würden es die Säuglinge aufnehmen und danach friedlich einschlafen. Deswegen heißt es auch "stillen", weil das Kind dann still ist. Zumindest im Normalfall. Beim Geschlechtsverkehr würde dieses Hormon auch frei gesetzt, weswegen man nach dem Akt, den schlafenden Mann anschauend, auch immer in das Antlitz eines ruhenden Kleinkindes schaut. Lauter Lacher. Eckart von Hirschhausen weiß, wie man die Mittelschicht rockt.

Klar wird bei Sprüchen wie "Je länger die Absätze, desto kürzer die Hauptsätze" am meisten gelacht. Und es ist auch nicht verwunderlich, dass sich, wenn er " so wie bei Woody Allen" sagt, die Paare so intellektuell verliebt anschauen.

Aber irgendwie ist das doch schön. Weil von Hirschhausen einer der wenigen Komödianten ist, bei dem man sich nicht für die Lacher des Publikums schämen muss. Bei dem man nicht im Stuhl versinkt, weil einer ganz laut Pups-Geräusche nachmacht. Das Hirschhausen-Lachen ist so ein bisschen wie bei Loriot. Man erkennt sich selber wieder und hat auch noch was dazu gelernt.