Guggenheim Lab

Sehr nett

Ein letzter Besuch: Nach sechs Wochen schloss gestern der überdachte Think Tank im Pfefferberg

Ein "Parkplatz" auf der Christinenstraße kann mit einem aufblasbaren Schwimmbecken ein "Schwimmplatz" werden. Oder ein "Tangoplatz", ein "Treffplatz", ein Spielplatz, sogar eine kleine Wohnküche. Da sind die Vorschläge, die Inés Aubert in ihrem Vortrag am Sonntag der Stadt Berlin unterbreitet. Die gebürtige Spanierin ist jetzt Mitglied in der Berliner "Stiftung Freizeit" und stellt ihr Projekt vor, das sie mit dem Guggenheim Lab realisiert hat. "Die Anwohner hatten wirklich Spaß daran, mitzumachen", sagt sie. "Wir haben gesehen, wie kreativ Menschen mit solch einem Raum umgehen können."

Bleibt die Frage, was der Hauptsponsor des Guggenheim abs, BMW, dazu gesagt hat. Den ausgerechnet das Engagement dieses Autobauers - oder die Kritik daran - hatte letztlich dazu geführt, dass das Lab nicht in Kreuzberg, sondern für sechs Wochen im Prenzlauer Berg öffnete. Insgesamt haben rund 25.000 Menschen diesen provisorischen Think Tank besucht, für Filme, Diskussionen und Workshops rund um das Thema Stadtentwicklung. Leitfrage dieser Tage war: Wie kann man den Raum in der Stadt so nutzen, dass die Bewohner sich noch wohler fühlen?

Die Veranstalter zumindest sind sehr zufrieden mit den vielen Antworten, die gefunden wurden. "Nach dem Ärger vor der Eröffnung", sagt Programmmanager Lutz Henke, "hat uns der Zuspruch der Besucher gezeigt, dass sie es durchaus angenommen haben." Der 31 Jahre alte Berliner schwärmt von den Projekten, die sich auf die ganze Stadt ausdehnten und der guten Stimmung, die oft abends im Pfefferberg aufkam, wenn sich Künstler, Architekten und andere Wissenschaftler und Experten austauschten.

Kulturreise nach Marzahn

Es war das erste Mal nach seiner Gründung in New York, dass dieses Lab im Ausland aufgebaut wurde. Als nächstes soll das Projekt ins indische Mumbai ziehen, wo sich die Workshops an die Umgebung anpassen, so wie hier in Berlin oft die Stadtteile Mitte und Prenzlauer Berg ins Zentrum rückten. Am Alexanderplatz fand ein "Dynamic Public Space Workshop" statt, bei dem beobachtet wurde, wie Menschen mit Veränderungen im öffentlichen Raum umgehen. Mit dem Workshop "Testing! Testing!" zeigte der Berliner Constantin Boese mittels technischer Hilfsmittel, dass die stark befahrene Mollstraße auf den Passanten eine emotional dämpfende Wirkung hat. Während einige Workshops wie "Fahrradsattel-Bemalen" und "Outdoor-Yoga" Zweifel an der Relevanz aufkommen ließen, waren andere, wie die Kulturreise nach Marzahn oder die Fahrradtour durch die Clubszene, sehr beliebte Aktionen.

Generell aber wiesen viele Projekte auf eine Unabhängigkeit vom Hauptsponsor hin. Letztlich kamen häufig eher Gentrifizierungsgegner zu Wort. Wenn morgen das Kasten-Dach im Pfefferberg abgebaut wird, wird sich zeigen, was davon zurückbleibt. Wer jetzt aber vor seinem Haus einen Mittagstisch aufstellen will: Inés Aubert hat leider die Erfahrung gemacht, dass das Ordnungsamt nicht sehr offen für die Rückeroberung der Parkplätze war.