Bayreuth

Familie Wagner soll NS-Aufarbeitung fortsetzen

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) dringt darauf, dass die Familie Wagner und das Festspielhaus in Bayreuth ihre NS-Vergangenheit umfassend aufklären.

Er sehe die Familie und die Festspiele in einer "besonderen Verantwortung", sagte Neumann. Die Verbindungen der Festspiele zum Nationalsozialismus und seinen Vertretern in den Jahren 1933 bis 1945 "sowie die antijüdische Haltung des Hauses Wagner - auch schon vor dem Jahre 1933 - stellt ein besonders dunkles Kapitel in der deutschen Musik- und Kulturgeschichte dar".

Die aktuelle Festspielleitung sei sich der Verantwortung zur Aufarbeitung bewusst und stelle sich ihr, sagte Neumann. Er erwarte jedoch, dass die Leitung wie auch die Familie Wagner "auf diesem Weg weiter vorangehen". Hierzu gehöre insbesondere "die Zugänglichmachung aller Archive." Denn aus der Geschichte des Grünen Hügels resultiere "eine besondere Verantwortung" zur "lückenlosen Aufarbeitung" der eigenen Vergangenheit.

Die neue Spielzeit in Bayreuth war am Mittwochabend mit der Oper "Der Fliegende Holländer" eingeläutet worden. Kritiker hatten dem Opernhaus zuvor vorgeworfen, eine intensive, selbstkritische Aufarbeitung der NS-Zeit bisher versäumt zu haben. Anlass der Debatte war der plötzliche Rückzug von Bass-Bariton Evgeny Nikitin wegen dessen Nazi-Tätowierungen.

Neumann begrüßte die Trennung von Nikitin ausdrücklich. Auch dies zeige, dass die Festspielleiterinnen "ihrer Verantwortung vor der Geschichte" wahrnähmen. "Der Auftrittsverzicht Nikitins war die einzig mögliche und richtige Reaktion auf den Vorfall", sagte der Kulturstaatsminister. Er erinnerte mit Blick auf den Umgang mit der NS-Vergangenheit zudem an die aktuell auf dem Festspielhügel sowie im Rathaus von Bayreuth gezeigte Wanderausstellung "Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die Juden 1876 bis 1945". Diese Ausstellung sei "ein erster wichtiger Schritt" der weiteren Aufarbeitung. Auch der FDP-Kulturpolitiker Hans-Joachim Otto appellierte an das Festspielhaus, die eigene NS-Vergangenheit kritisch zu erforschen. "Transparenz und eine aktive Aufarbeitung der Geschichte sind keine freie Entscheidung, sondern eine Bringschuld", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.