Hannelore Elsner

Berlin bleibt immer ihr heimliches Wunschziel

Schauspielerin Hannelore Elsner wird heute 70 Jahre alt

Man darf, man muss die Elsner lieben, aber verklären darf man sie nicht. "Die Elsner", das schreiben wir nicht nur so dahin. Es gibt wenige Menschen, die man nur mit dem Nachnamen nennen darf, bei ihr gilt es allemal. Darsteller gibt es viele, Schauspieler weniger, aber sie hat etwas, das man nicht lernen kann, nicht auf Schauspielschulen und auch nicht vor der Kamera. Sie hat Persönlichkeit, hat Aura. Heute feiert sie ihren 70. Geburtstag. Anfangs war immer nur von ihrem Sexappeal die Rede. Sie musste, wie so viele ihrer Generation, durch eine schwere Schule. Musste sich in frühen Filmen bewähren, die nicht nur "Immer diese Mädchen" hießen oder "Das Mädchen mit den schmalen Hüften", sondern auch so aussahen. Sie hat es dennoch geschafft, ein Gesicht des Neuen Deutschen Films zu werden, in Filmen von Edgar Reitz, Alf Brustellin, Ulla Stöckl. Aber dann wurde Brustellin auch ihr Lebenspartner. Und kein anderer Regisseur wollte sie mehr, das hat sie mir mal sehr drastisch beschrieben, "auch nur mit der Kneifzange anfassen".

In den Achtzigern tat sie dann etwas für den hehren Autorenfilm Unmögliches: Sie ging zum Massenmedium Fernsehen, wurde in den Neunzigern sogar zur Seriendarstellerin. Damit ist man künstlerisch eigentlich abgeschrieben. Aber nein: Genau zur Jahrtausendwende war sie plötzlich mit Wucht wieder im Kino. Ein noch kaum bekannter Regisseur bot ihr einen kleinen Film an, in Schwarzweiß, über seine eigene Mutter. Der Rest ist Geschichte: "Die Unberührbare" brachte ihr nicht nur ersehnte späte Filmpreise ein, Oskar Roehlers Film war für sie, nach 15 Jahren Abstinenz, der Rücksturz auf die Leinwand. Wo sie seither in schöner Regelmäßigkeit in Filmen wie Dany Levis "Alles auf Zucker!" oder Doris Dörries "Hanami - Kirschblüten" beeindruckt.

Ihr Geheimnis, wenn es denn eins ist: Sie gibt stets alles. Das ist, soviel Kritik sei erlaubt, manchmal auch etwas zu viel des Guten. Aber so ist sie. Die Dosierung liegt ihr nicht. Nicht umsonst hat sie ihre Autobigraphie, die im vergangenen Jahr erschien, "Im Überschwang" genannt. Sie hatte zahlreiche prominente Lebensgefährten, Brustellin, Bernd Eichinger, Dieter Wedel (von dem sie ihren einzigen Sohn Dominik hat), aber sie blieb trotz dieser großen Ego-Galerie stets selbständig, autark, unabhängig. Und allein erziehende Mutter. Und das alles, ohne als große Emanze da, also in der Ecke zu stehen.

Ihr Werdegang hat viel mit Berlin zu tun. Gerade hatte sie 1963 ihr erstes festes Theaterengagement in München, da rief Will Tremper an. Er drehte "Die endlose Nacht" und wollte sie dafür haben. Eine kleine Rolle nur, aber die Elsner ließ alles stehen und liegen. Und kam nach Berlin. Trempers Episodenfilm wurde komplett am Flughafen Tempelhof gedreht. Und über Nacht war die junge Frau, die da das Starlet Sylvia in aufreizendem Spaghettikleid gab, bekannt. Die Elsner blieb in der Stadt, sie spielte hier über ein Jahr am Theater am Kudamm in "Vater einer Tochter", was sie als ihre "eigentliche Lehrzeit" bezeichnet. Und auch wenn sie sich danach wieder für München entschied und später der Liebe wegen nach Frankfurt zog, bleibt Berlin doch immer ihr heimliches Wunschziel.