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Der Polit-Clan als Kammerspiel

Arte zeigt "Die Kennedys"- Die Miniserie sorgte in den USA für Kritik

Der Mythos Kennedy lebt. Obwohl gegenwärtig kein Vertreter der "First Family" ernsthaft Chancen auf ein politisches Spitzenamt hat. Anders sind die heftigen Reaktionen nicht zu erklären, die die Miniserie "The Kennedys" in den USA ausgelöst hat. Sie führten sogar dazu, dass die ursprüngliche Ausstrahlung beim renommierten History Channel abgesetzt wurde und die Serie auf einem viel kleineren Kanal gesendet werden musste. Ab heute kann man sich beim deutsch-französischen Kulturkanal ein eigenes Bild machen, denn Arte strahlt die acht Folgen gebündelt an drei Abenden aus.

Echte Geheimnisse über den berühmtesten amerikanischen Polit-Clan des 20. Jahrhunderts verrät der solide produzierte kanadische Achtteiler allerdings kaum. In den vergangenen Jahrzehnten nämlich haben Journalisten und Historiker schon viel von dem Hochglanzlack absplittern lassen, mit dem sich die Kennedys lange geschmückt haben.

So ist die Einflussnahme des machtbewussten Patriarchen Joseph "Joe" Kennedy auf die amerikanische Politik zwischen 1930 und 1960 bekannt. Ebenso die eher unangenehmen Charaktereigenschaften des ältesten Kennedy-Sohnes Joe Junior, der schon früh zum kommenden Präsidentschaftskandidaten aufgebaut wurde. Als er 1944 als Bomberpilot in Europa fiel, musste John F. Kennedy halb unwillig diese Rolle übernehmen. Seine durchaus schwankende Begeisterung bringt Drehbuchautor Stephen Kronish auf die treffende Formel: "Ich - Präsident? Unglaublich!", die Kennedy in einer (erfundenen) Szene auf dem Weg ins Wahllokal am Tage der Präsidentschaftswahl 1960 seiner Frau zuraunt.

Viel über den wirklichen John F. Kennedy kann man in der Biografie von Robert Dallek über sein "unvollendetes Leben" nachlesen. Doch bewegte Bilder wirken immer direkter als niedergeschriebene Erkenntnisse. Und weil das Casting in "The Kennedys" gut gelungen ist, kommt die Botschaft an. Dabei muss sich die Besetzung messen lassen an dem zu Recht oft gelobten Kinofilm "13 Tage" über die Kennedys während der Kuba-Krise 1962.

Greg Kinnear, der in "The Kennedys" die Hauptrolle spielt, verkörpert den Präsidenten mindestens genauso überzeugend wie Bruce Greenwood das im Kinofilm tut. Beide lösen das Problem, den nach außen hin immer strahlenden, überzeugend wirkenden Kennedy schwankend, unsicher, ja zögerlich zu präsentieren. Deutlich besser als in "13 Tage" dagegen sind die beiden nächst wichtigen Charaktere besetzt: Katie Holmes gibt Jackie Kennedy als echte Hauptfigur und wird so der eleganten First Lady auch tatsächlich gerecht, während das Fotomodell Stephanie Romanow im Kinofilm kaum mehr als hübsches Beiwerk war. Besonders deutlich aber wird der Unterschied in der Besetzung von Robert F. Kennedy, dem Justizminister und wichtigsten Berater seines Bruders. Barry Pepper gleicht in "The Kennedys" die mangelnde äußerliche Ähnlichkeit durch eine Energie aus, die "Bobby" auch in Wirklichkeit auszeichnete. Das ging in "13 Tage" weitgehend unter, weil Steven Culp den jüngeren Kennedy-Bruder als gehorsamen Helfer gab.

Natürlich kann die Fernsehproduktion von 330 Minuten angesichts ihres Budgets von 25 Millionen Dollar nicht annährend ähnliche Opulenz bieten wie der schon vor zwölf Jahren mehr als dreimal so teure Kinofilm. Deshalb konzentriert sich Regisseur Jon Cassar zu Recht auf eher kammerspielartige Szenen, in denen seine Darsteller dann wirken können. Anders als einige Angehörige des Clans befürchtet hatten, zerstört der Achtteiler den Kennedy-Mythos nicht. Im Gegenteil. Kurz vor dem runden Jahrestag der Kuba-Krise, Kennedys größter Bewährungsprobe, lenkt die sehenswerte Serie die Aufmerksamkeit einmal mehr auf die Person, die ihren Nachruf nicht zuletzt dem gewaltsamen Tod verdankt.

Arte, heute, 2. und 9. August, jeweils 20.15 Uhr.