Kleist-Route

Wandern und Radfahren mit Heinrich von Kleist

Kein regelmäßiger Theatergänger hat den "Zerbrochnen Krug" nicht schon mindestens einmal gesehen, kein Germanistikstudent die Novelle "Erdbeben von Chili" ausgelassen.

Heinrich von Kleist (1777-1811) hat seinen Platz in der Riege der größten deutschen Dichter sicher. In seinen Dramen, Novellen und Schriften befasst sich der Dichter mit den gesellschaftlichen Verunsicherungen seiner Zeit und setzt ihnen Ideen entgegen, die selbst 200 Jahre nach seinem Tod am 21. November 1811 so aktuell erscheinen wie damals.

Dem Dichter, der sich am Kleinen Wannsee das Leben nahm, kann man sich nun laufend und radelnd nähern: Eine 20 Kilometer lange "Kleist-Route" durch Frankfurt (Oder) - seine Geburtsstadt - und Slubice wird heute (11 Uhr) eröffnet. Sie verbindet Stätten beiderseits der Oder, die mit dem Dichter und seinem gleichfalls dichtenden Großonkel Ewald Christian von Kleist (1715-1759) verbunden sind. Schautafeln informieren über das Wirken der beiden. Das grenzüberschreitende Leitsystem gebe auch Tipps zur Gastronomie am Wegesrand, sagte Sebastian Jarantowski, Referent der Stadt. Für das Projekt flossen knapp 15.000 Euro EU-Fördermittel.

Die Route ist für Wanderer und Radfahrer gedacht. Auf ihr liegen beispielsweise das Kleistmuseum sowie das einstige Geburtshaus von Heinrich von Kleist und der Kleistpark, wo sich die Gräber seiner Halbschwester Ulrike und seines Lehrers befanden. Künftig sollen auch geführte Radtouren angeboten werden. Jährlich radeln rund 12.400 Touristen durch die Oderstadt, die am Oder-Neiße-Radweg liegt. Dieses Wandern und Radfahren mit dem Dichter ist auch symbolisch zu sehen, Kleist reiste viel, angeblich soll er in seinem Leben rund 27.000 Kilometer zurückgelegt haben.

In Slubice gelangen Interessierte an die Stelle des einstigen Kleist-Turms. Das früher beliebte Ausflugsziel wurde 1945 gesprengt, soll aber wiederaufgebaut werden. Östlich davon markiert ein unscheinbarer Findling den Ort, an dem der preußische Major und Dichter Ewald Christian von Kleist nach der Schlacht bei Kunersdorf verwundet gefunden wurde. Die Schlacht war Teil des Siebenjährigen Krieges.