Musik

"Instrumente sind wie Spielzeug"

Jugendorchester besetzen das Konzerthaus. Am Freitag beginnt das Festival Young Euro Classic

Geschäftiger Lärm wird in den nächsten Tagen wieder ins Konzerthaus einziehen, junge Musiker nehmen den Gendarmenmarkt erneut über den Sommer in Beschlag. Beim Festival Young Euro Classic treffen sich mittlerweile zum 13. Mal Jugendorchester aus aller Welt. Nacheinander, versteht sich. Insgesamt 1300 Musiker spielen bis 12. August in den gut 30 Konzerten, hieß es gestern bei der Programmvorschau in der Südafrikanischen Botschaft im Tiergarten. Der Ort war bewusst gewählt. Am Freitag wird das MIAGI Youth Orchestra aus Südafrika das Festival eröffnen. Gestern waren die jungen Leute noch in Salzburg unterwegs, um sich eine Probe der Großen anzuhören.

Derweil hat ihr Botschafter in Berlin, Makhenkesi Arnold Stofile, einige Erklärungen parat. MIAGI, sagt der Botschafter, das klinge doch eher japanisch und erinnere an den alten Karatelehrer. Dann schaut er verschmitzt in die Runde, als ob jeder die "Karate Kid"-Filme mit Pat Morita alias Sensei Miyagi gesehen haben muss. Der Botschafter kennt sie jedenfalls. Zuletzt war er auch Minister für Sport und Freizeit, eigentlich aber ist er zuerst ein Reverend und weiß um die sozialen Erfordernisse in seinem Land.

MIAGI heißt übrigens ausgesprochen "Music is a Great Investment", und der Gründer Robert Brooks, ein hemdsärmliger Südafrikaner, der in Österreich musikalisch ausgebildet wurde, erklärte gestern das Modell der gemeinnützigen Organisation. Im Mittelpunkt steht die Vernetzung von verschiedenen Aktivitäten. Der Orchesterleiter sagt wuchtige Sätze wie "Musik ist ein soziales Werkzeug." Junge Leute, ob aus reichen oder armen Familien, kommen einmal im Jahr zusammen, um gemeinsam Orchestermusik einzustudieren. Im Orchester werden auch die verschiedenen Ethnien des Landes vereint. Das südafrikanische Modell mag auf den ersten Blick an das in den letzten Jahren viel diskutierte El Sistema aus Venezuela erinnern. Dieses Jugendmusikprogramm ist aber flächendeckender, perfekter organisiert und eine Art soziales Aufstiegsmodell, ähnlich wie Fußballklubs. Die Südafrikaner sind dagegen nach einem Jahrzehnt noch in der Aufbauphase.

"Für die Jugendlichen", so Brooks, "ist das Instrument wie ein Spielzeug, darauf wird dann alles gespielt." Nicht nur europäische Kunstmusik, auch Jazz. Zur Eröffnung spielt das MIAGI Youth Orchestra Werke der Europäer Dvorak und Debussy, der Amerikaner Gershwin und Bernstein und des Afrikaners Christian Muthspiel. Er ist der Dirigent des Orchesters. Tags darauf trifft man sich mit jungen deutschen Jazzmusikern im Konzert. Die Begegnungskonzerte sind überhaupt wieder die spannendsten Projekte beim Young Euro Classic. Dazu zählt diesmal auch das Armenisch-Türkische Jugendorchester, das am 3. August unter dem Titel "Music that unites!" spielt.

Seit dem Völkermord an den Armeniern während des ersten Weltkriegs ist das Verhältnis zwischen den beiden Nationen belastet. "Die jungen Leute wollen über alles historisch Politische gemeinsam musizieren", sagt Festivalleiterin Gabriele Minz. Erstmals wird in diesem Jahr auch Tanz gezeigt. Seinen Einstand beim Festival gibt das Singapore National Youth Orchestra. Zu Gast sind wieder Jugendorchester aus den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Rumänien oder Russland. Es sind zwölf Ur- und Erstaufführungen angekündigt, am Ende wird der Europäische Komponistenpreis verliehen.

Tickets kosten einheitlich 16 Euro, beim Klavierfestival acht Euro. Tel.0180 / 59 69 00 00.