Museen

Alte-Meister-Streit: Fehler in der Kommunikation

Monika Grütters fordert eine sachlichere Diskussion

Im Streit um die Neustrukturierung der Berliner Gemäldemuseen hat die CDU-Kulturexpertin Monika Grütters zu einer Versachlichung der Diskussion aufgerufen. Sie habe vor allem die Schärfe der Debatte überrascht, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses am Sonnabend im Inforadio des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb). Grütters, die auch stellvertretende CDU-Landesvorsitzende in Berlin ist, fügte hinzu, es würden derzeit regelrechte Kampagnen gefahren. Sie empfinde den Ton der Auseinandersetzungen zum Teil als unangemessen.

Grütters bekannte sich zugleich zu den bisherigen Planungen. Die sogenannten Alten Meister wären auf der Museumsinsel besser aufgehoben als derzeit. Gleichzeitig könnten für die Klassische Moderne am Kulturforum bessere Bedingungen geschaffen werden als es der jetzige Zustand erlaube. Allerdings seien in der Kommunikation über diese Pläne Fehler gemacht worden, räumte Grütters ein. Auch müsse geklärt werden, was in der Zwischenzeit mit den Kunstwerken geschehen solle.

Zuletzt hatte Kulturstaatsminister Bernd Neumann versichert, "die kritischen Argumente" ernst zu nehmen. "Der Bund ist sich mit dem Präsidenten der Stiftung und dem Land Berlin einig, dass keine übereilten Entscheidungen getroffen werden, sondern auch unter Prüfung von Alternativen wie z.B. einer Nutzung von Kronprinzen-/Prinzessinnen-Palais eine tragfähige Lösung vorgeschlagen wird", sagte Neumann: "Hierbei werden selbstverständlich auch der Kultur- und Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einbezogen. Ich gehe davon aus, dass in einer Sitzung des SPK-Stiftungsrates im Herbst diesen Jahres eine Gesamtplanung aller Investitionsvorhaben der Stiftung mit zeitlicher Reihenfolge zur Entscheidung vorgelegt wird."

Rasches Konzept angemahnt

Ausschussvorsitzende Grütters mahnte ein rasches Konzept der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an. Angesichts der enormen Mittel des Bundes sei allerdings das Misstrauen, dass für die Alten Meister nicht ausreichend gesorgt werde, absolut unbegründet. Nach den Kunsthistorikern hatten sich in den zurückliegenden Tagen auch die deutschen Restauratoren entschieden gegen die Pläne für eine Neustrukturierung der Berliner Gemäldemuseen ausgesprochen.

In seinem Mitte Juni beschlossenen Nachtragshaushalt hatte der Bundestag zehn Millionen Euro für die Staatlichen Museen Berlin zur Verfügung gestellt. Damit sollte der erste Schritt zur Umsetzung eines schon länger geplanten Vorhabens ermöglicht werden: Aus der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz soll unter Einbeziehung einer Privatsammlung ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts werden. Dafür sollen mehrere hundert Gemälde, darunter viele Meisterwerke aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, an ihren angestammten Platz auf die Museumsinsel zurückkehren. Dort fehlt allerdings auf Jahre hinaus noch der Platz für eine ausführliche Präsentation. Die Umzugspläne stießen daher in den vergangenen Wochen in Fachkreisen und Medien auf zum Teil empörte Kritik.