Streitgespräch

Meine Frauen, meine Schlösser, mein Reich

Wer war größer? Friedrich der Große oder Otto der Große

Seit Monaten wird der 300. Geburtstag von Friedrich II. gefeiert - aber was hat der denn schon geleistet? König von einem traditionsarmen Mittelreich, ein paar Kriege mit mehr Glück als Verstand gewonnen, ein bisschen in Literatur, Philosophie und Musik dilettiert. Das reicht schon, um bei uns als "der Große" verehrt zu werden. Dabei gab es vor Friedrich noch Persönlichkeiten! Den Ottonenherrscher Otto I. zum Beispiel (912-973). Einer, der mit Päpsten rang, mit allen Herrschern der bekannten Welt korrespondierte, über ein Reich von Schleswig bis Rom und von Antwerpen bis Bautzen gebot (oder es wenigstens versuchte) - und dabei nicht annähernd so viele Soldaten auf dem Schlachtfeld zurückließ wie der Alte Fritz. Schon von Zeitgenossen wurde auch Otto "der Große" genannt - allerdings freiwillig, anders als bei Friedrich, der sich diesen Titel von der eigenen höfischen PR-Maschinerie geben ließ.

Zwei "Große" also, Friedrich und Otto - aber wer war der größere Große? Am Freitag haben zwei Experten in der Berliner Landesvertretung von Sachsen-Anhalt ein Streitgespräch darüber geführt. In der Otto-Ecke stand Matthias Puhle, Direktor des Kulturhistorischen Museums Magdeburg, für Friedrich sprach Jürgen Luh, wissenschaftlicher Leiter der aktuellen "Friederisiko"-Jubiläumsausstellung in Potsdam. Der Anlass: In Magdeburg, wo Otto im Dom begraben liegt, startet am 27. August die Schau "Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter".

Otto hatte mehr Frauen

Die Historiker gingen in entspanntem Plauderton die Kernkompetenzen eines Herrschers durch: Feldherrentum, Nachruhm, Frauengeschichten und so weiter. In vielen Kategorien sieht Friedrich II. nicht gut aus. Groß war er ja sowieso nicht (1,58 bis 1,60 Meter, da gehen die Quellen etwas auseinander) - Vorteil Otto, der überdurchschnittlich lang gewesen sein soll. Ranghöher war Otto als Frankenkönig und römischer Kaiser sowieso. Mehr Frauen hatte er als "serieller Monogamist" (Puhle) auch. Schon mit 17 zeugte er einen unehelichen Sohn mit einer Gefangenen, später kamen mindestens sechs weitere Kinder dazu. Da kommt der frauenscheue Friedrich nicht mit. Bei den militärischen Fähigkeiten herrscht Patt. Die Forschung ist sich bei beiden Herrschern nicht mehr so sicher, wie viele ihrer Feldzüge nicht dank, sondern eher trotz ihrer Strategie zum Erfolg führten. Beiden gemeinsam war die Neigung, in auswegloser Lage alles auf eine Karte zu setzen.

Der Preuße hat die Nase vorn, was die schönen Dinge des Lebens angeht. Otto erscheint in den Quellen als langweiliger, frömmelnder Asket. Friedrich dagegen freute sich schon mittwochs auf das Essen am Donnerstag und dehnte die Dinner gern mal auf sechs Stunden aus. Analphabet Otto konnte nicht mal die eigenen Königsurkunden lesen, die er mit einem symbolischen Strich unterzeichnete, während Friedrichs gesammelte Werke auf Französisch ganze Regale füllen.

Wen die Deutschen unterm Strich am liebsten mögen, wird sich auch daran ablesen lassen, welche der beiden aktuellen Ausstellungen mehr Publikum anlockt, Potsdam oder Magdeburg. Den größten Monarchen ermitteln die Untertanen.