Rechtsstreit

Papst contra "Titanic": 160 Beschwerden beim Presserat eingegangen

Der Rechtsstreit zwischen dem Satiremagazin "Titanic" und Papst Benedikt XVI. geht in eine neue Runde.

Die Zeitschrift legte wie angekündigt Widerspruch gegen die vom Papst erwirkte einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg gegen ihr aktuelles Titelbild ein. Der Deutsche Presserat erhielt unterdessen bisher gut 160 Beschwerden gegen das Cover. Der Beschwerdeausschuss des Presserates will voraussichtlich am 27. September darüber entscheiden. Die Beschwerden kamen vor allem von Privatleuten, es sind aber auch katholische Organisationen darunter. Das umstrittene Cover der Juli-Ausgabe zeigt Papst Benedikt XVI. mit einem gelben Fleck auf der Soutane. Auf dem Titel heißt es in Anspielung auf den "Vatileaks"-Skandal um den Verrat von Interna: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" Auf der Rückseite wird der Papst von hinten mit braunem Fleck und dem Kommentar "Noch eine undichte Stelle gefunden!" gezeigt.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlt sich durch das Titelbild in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und hat eine einstweilige Verfügung erwirkt - ein in Deutschland bisher einmaliger Vorgang. Das Gericht hatte die weitere Verbreitung des Titelfotos verboten und bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld angedroht. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte kritisiert, die "Titanic" überschreite "jedes Maß an Zumutbarem".

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist der Ton teils spöttisch. So schreibt Christopher Lauer von der Piratenpartei: "Wenn der Papst cool wäre, dann hätte er das Gewand vom Titanic-Shooting für nen guten Zweck versteigert". Andere Nutzer diskutieren darüber, ob die geforderte Meinungsfreiheit vergleichbar mit dem Streit über die Mohammed-Karikaturen ist.

Medienanwalt Ralf Höcker prognostiziert laut meedia.de, dass Papst Benedikt XVI. eine Geldentschädigung in sechsstelliger Höhe erwirken könnte. "Joseph Ratzinger ist nicht die katholische Kirche, er ist auch nicht nur Papst, sondern er ist vor allem und über allem: ein Mensch." Kein Mensch müsse "es ertragen..., vollgepisst und vollgeschissen auf Vorder- und Rückseite einer Satire-Zeitschrift abgebildet zu werden!"