Danny DeVito

"Ich bin unfassbar oft gestolpert"

Danny DeVito hat die Trickfigur Lorax, die jetzt ins Kino kommt, in sechs Sprachen synchronisiert. Kleines Problem: DeVito kann nur Englisch

Anderthalb Meter Humor. Mit seinem liebenswürdig grummeligen Charme ist der gerade mal 1,52 Meter große Danny DeVito einer der unwiderstehlichsten Hollywood-Altstars. Für die Stimme und Seele von Dr. Seuss' kauzigem Umweltschützer Lorax, der aussieht wie eine bunt behaarte Erdnuss, hätte es jedenfalls keine perfektere Wahl geben können. In letzter Zeit hat man in Deutschland nur wenig von DeVito gehört, und normalerweise hätte sich daran durch "Der Lorax" nichts geändert. Denn entweder übernehmen üblicherweise Synchronsprecher oder eben deutsche Filmstars die Vertonung solcher Trickfilmhelden. In diesem besonderen Fall allerdings hat DeVito nicht nur dem Original seine Stimme geliehen, sondern auch dem deutschen Lorax.

Berliner Morgenpost:

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Sie könnten Deutsch sprechen?

Danny DeVito:

Zunächst einmal fand ich es nur cool, dass dieser Lorax mit meiner Stimme spricht. Als mir die Filmemacher ein Bild von ihm zeigten und erklärten, was sie vorhaben, wollte ich nicht mehr, dass sie irgendwo anders fragen. Ich hab sofort zugesagt. Und als die Idee mit diesen verschiedenen Sprachfassungen aufkam, war ich begeistert. Ich konnte buchstäblich nicht mehr aufhören. Auf jeden Fall habe ich gesagt, ich kann es ja mal versuchen, aber dass man mir bitte sagen solle, wenn's bescheuert klingt. Offenbar hat's geklappt. Und zum Glück musste ich ja nicht singen.

In wie vielen Sprachen insgesamt haben Sie den Lorax gesprochen?

In sechs Sprachen. Einmal in Englisch, zweimal in Spanisch - einmal mit diesen verrückten Thh-thh-Lauten und einmal in Katalanisch - dann in Italienisch, Russisch und natürlich in Deutsch. Ich spreche ja keine andere Sprache, auch wenn man wohl immer noch glaubt, ich könnte Italienisch. Ich habe den Nachnamen und den Akzent geerbt, aber nicht die Sprache.

Wie? Sie sprechen kein Italienisch?

Als ich zur Welt kam, waren meine Großeltern schon tot. Sie sind im 19. Jahrhundert aus dem Süden Italiens nach Amerika ausgewandert. Also habe ich nur ein paar Brocken Italienisch von meinen Eltern mitbekommen. Ich kann es ein bisschen, aber nicht so, wie man es für die italienische Fassung von "Der Lorax" bräuchte. Ich hatte in jedem Land mehrere Trainer, die mit mir die Texte durchgegangen sind, sodass alles genauso rüberkommt wie in der englischen Fassung. Aufgeregte, schnell gesprochene, lange, nie enden wollende Sätze - in Englisch kein Problem -, aber dieser fiese "Ch"-Laut aus einem "Ich" in Deutsch ist schon für sich schwierig genug, geschweige denn, wenn er mir in einem langen Satz unterkommt. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich oft ich darüber gestolpert bin. Unfassbar. Und so einen Mount Everest, an dem ich schnaufend und atemlos fast verzweifelt hängen geblieben bin, gab es in jeder Sprache.

Haben Sie sich die Sätze einfach in Lautschrift aufgeschrieben?

Nein. Die Sprechtrainer kamen aus Berlin oder aus Italien nach Amerika und haben erst die insgesamt 90 Sätze aufgeschrieben, was mir für die russische Fassung schon mal gar nichts gebracht hat. Und dann haben sie die Sätze heruntergebrochen und phonetisch aufgeschrieben. Manchmal war es für mich auch einfacher ohne die phonetische Fassung. Es ging ja darum, dass es nicht nur so klingt, als würde ich Deutsch sprechen. Man musste spüren, dass ich meine, was ich sage. Ich bin nach und nach zu Aufnahmesessions gegangen und habe erst vier Seiten aufgenommen und nur am Klang der Sprache gearbeitet. Beim nächsten Mal ging es dann eher darum, welches Gefühl der Lorax in der jeweiligen Szene transportiert. Es war ein ständiges Feilen. Leider hat das aber nicht dafür gesorgt, dass ich jetzt irgendeine dieser Sprachen besser könnte.

Welche war die schwierigste Sprache?

Jede hatte ihre ganz eigenen Stolpersteine. Die Spanier und Italiener konnten nicht fassen, dass ich mein "R" nicht rollen kann. Aber ich konnte es nicht, also musste es ohne gehen.

Aber Sie haben doch einen leichten italienischen Akzent.

Jersey-Italienisch (lacht). Ich stamme aus einem kleinen Ort an der Ostküste, und es gab dort viele Italiener, aber die meisten waren eben schon in der zweiten Generation in Amerika geboren. So wie ich.

In "Der Lorax" kann man Sie endlich mal wieder in voller Fahrt erleben, und das wirkt fast schon wie ein Comeback. Ansonsten schienen Sie in den zehn Jahren fast wie von der Bildfläche verschwunden. Was haben Sie die ganze Zeit gemacht?

Ich habe in einer Fernsehserie mitgespielt, die jetzt schon seit sieben Jahren läuft: "It's Always Sunny In Philadelphia". Ich kann mir keine Serie vorstellen, die mir mehr Spaß machen könnte. Zwei weitere Staffeln sind jetzt schon sicher. Das ist im Grunde das, was ich in den letzten Jahren gemacht habe. Ich habe ja am Theater angefangen. Irgendwann kamen Filme wie "Einer flog über das Kuckucksnest" und schließlich kam die Serie "Taxi", die fünf Jahre lang lief. Anschließend habe ich wieder viele Filme gedreht und oft auch produziert. "It's Always Sunny In Philadelphia" war für mich noch mal etwas völlig Neues. Der Typ, den ich spiele, hat alles erlebt, alles gemacht in seinem Leben. Er hat viel Kohle, er hat viele verrückte Geschichten hinter sich, und abgesehen von den vielen kleinen und großen Handlungsbögen hat mir vor allem gefallen, dass mir dieser Typ ziemlich ähnlich ist. Ich habe auch alles Mögliche gemacht. Ich habe einen Haufen Geld verdient. Ich habe Filme produziert und mit Filmstars gearbeitet. Und dann kehre ich mit fast 60 Jahren zum Fernsehen zurück und arbeite mit 25-jährigen Kids an einer TV-Show, die so frisch und originell ist. Es ist anders als alles andere, was es im US-Fernsehen sonst so gibt. Am Anfang haben vielleicht fünf Leute zugeguckt, und mittlerweile ist die Serie ein unglaublicher Hit. Es ist ein Phänomen. Das habe ich die letzten acht Jahre gemacht.