Gedenken

Sie liebte immer den ganz großen Show-Auftritt

Sängerin Margot Werner stirbt im Alter von 74 Jahren

In Bayreuth hatte sie ihn immer noch, den großen Auftritt auf dem Roten Premierenteppich des (Festspiel-) Lebens, den die gelernte Tänzerin formvollendet zu inszenieren verstand. Da gab es meist so viel Applaus wie für Angela Merkel. Doch war das Schaulaufen auf dem Grünen Hügel beendet und waren die Kameras abgeschaltet, dann gingen für den Rest des Jahres für Margot Werner die Lichter wieder aus. Die 74-Jährige war längst eine Frau von Gestern und nur in dem für wenige Wochen als Musikweltstadt erstrahlenden Provinznest Bayreuth konnte sie sich noch am früheren Ruhm wärmen. Den hatte sie reichlich gehabt.

1937 in Salzburg geboren, behütet aufgewachsen und exzellent ausgebildet, kam die 17-jährige Tänzerin an das Ballett der Bayerischen Staatsoper, wo sie 1959 zur Solistin wurde. 15 Jahre lang prägte sie diese Truppe, zuletzt auch mit ihrer großen Liebe, dem tragisch früh an Leukämie verstorbenen Weltklassetänzer Heinz Bosl. In dieser Zeit hatte die großgewachsene Rothaarige, die immer eine besondere, ungewöhnliche Farbe in die Kompanie zu bringen wusste, bereits über ihre Zeit nach dem Ballett nachgedacht. Sie konnte singen und wurde mit ihrer rauchig-gutturalen Altstimme schnell als Chansonnette gebucht. Schon 1972 komponierte Bert Grund für sie, Abi Ofarim, Peter Kreuder und Sammy Drechsel mit seiner "Lach- und Schießgesellschaft" förderten sie. Sie bekam sogar eine eigene Fernsehshow, war bei den großen Samstagabend-Unterhaltungs-Rennern an der Seite von Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Frankenfeld und Hans Rosenthal Dauergast, trat am Münchner Residenztheater als Jenny in Brechts "Dreigroschenoper" mit Riesenerfolg auf. Ihr größter Hit wurde 1977 das Lied "So ein Mann". Tournee folgte auf Tournee, diverse Platten entstanden.

In den Achtzigerjahren wurde es in einem Land, das sich mit Showstars schon immer schwer getan hat, merkwürdig ruhig um Margot Werner. Applaus erntete sie jetzt vor allem auf Kreuzfahrtschiffen als disziplinierte Entertainerin. Und verdiente weiterhin gutes Geld, das sie freilich in das Tiroler Hotel ihres Mannes Jochen Litt pumpte, das 2005 Pleite ging.

Margot Werner aber behielt trotzig den Kopf oben und ließ sich den sommerlichen Oberfranken-Catwalk in selbstgeschneiderten Fantasieroben nicht nehmen. Am Sonntag aber ist sie nun - wie das Münchner Polizeipräsidium bestätigt - im Münchner Klinikum Bogenhausen, wo sie wegen einer Schulterbeschwerde behandelt wurde, aus dem dritten Stock gesprungen und ihren schweren Verletzungen erlegen.