Matthias Lilienthal

Abschied mit der Hoffnung auf Rückkehr

HAU-Intendant Matthias Lilienthal lässt sich feiern

Das fällt auf: Matthias Lilienthal trägt zu seinem Abschiedsfest am Sonnabend im Hebbel-Theater keinen Anzug (das hätte alle überrascht), aber auch kein gelbes oder rotes T-Shirt (das hatten alle erwartet). Sondern ein Hemd. Ein blaues. Die oberen Knöpfe sind geöffnet, die Ärmel hochgekrempelt. So hoch, dass es schon wieder aussieht wie ein T-Shirt.

Matthias Lilienthal, der sagt, dass er sich gern als Edelpenner inszeniert, war neun Jahre lang Intendant des Theaterkombinats Hebbel am Ufer, kurz und prägnant HAU genannt. Er hat zum Abschluss nur gute Kritiken für seine Arbeit bekommen, das gibt es nicht oft, wird Klaus Wowereit später sagen. Die beiden duzen sich. Der Regierende Bürgermeister, kariertes Hemd, legerer Sommeranzug und dunkelrote Schuhe - Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung trägt an diesem Abend das gleiche Modell, vielleicht gab's Mengenrabatt für die SPD, - verabschiedet Lilienthal voll des Lobes und lädt ihn zur baldigen Rückkehr ein. Er redet nach dem Auftritt zweier Künstler aus Island, die auf dem Bühne viel Rauch hinterlassen. Wowereit versucht einen Gag über Brandschutzanlagen zu machen - die angebliche Ursache des Flughafendesasters.

Aber der Witz zündet nicht. Stattdessen erntet Wowereit einige Buhrufe. Nicht so heftig wie bei der Verabschiedung von Kirsten Harms, der Intendantin der Deutschen Oper, vor einem Jahr, aber auch nicht zu überhören.

Unter den Gästen war auch Lilienthals Nachfolgerin Annemie Vanackere. Bevor das HAU am 1. November unter ihrer Leitung wieder eröffnet wird, steht eine Renovierung der drei Bühnen an.

In diesem Jahr war das HAU gleich mit zwei Produktionen zum Theatertreffen eingeladen. Auch der Friedrich-Luft-Preis 2010 ging an eine HAU-Produktion: Ausgezeichnet wurde das Performancekollektiv She She Pop für "Testament". Eine "King Lear"-Paraphrase, bei der es auch ums Erben und den Umgang der Generationen miteinander ging. Gastspiele führten She She Pop, die gemeinsam mit ihren Vätern auftraten, von Skandinavien bis nach Japan. Eine "aufregende Arbeit", befand Lilienthal im Rückblick und gestand: "Ich fand die Idee am Anfang blöd. Aber glücklicherweise ist man am HAU ja eh eher Berater."

Nachzulesen ist das in "Import Export", einem "Arbeitsbuch zum HAU Berlin", das jetzt zum Abschluss erschienen ist. Man kann damit Lilienthals Arbeit Revue passieren lassen. Einschließlich der beiden spektakulären Abschlussprojekte "Unendlicher Spaß", die 24-stündige Stadterkundungstour, und die "Große Weltausstellung" auf dem Tempelhofer Flugfeld - und sich auf seine Rückkehr nach Berlin freuen. Denn solange Wowereit die Kulturpolitik verantwortet, stehen Lilienthal, der jetzt erst Mal für ein Jahr nach Beirut geht, in seiner Geburtsstadt viele Türen offen. Es dürfte also ein kurzer Abschied sein.

Import Export, Arbeitsbuch zum HAU Berlin, Theater der Zeit, 179 S. 18 Euro.