Programm

"Berlin - Paris": Galeristen tauschen ihre Kunst

60 Künstler sind dabei, das Programm weitgefächert

Von den Bussi-Bussi-Ritualen wie einst mit Nicolas Sarkozy ist Angela Merkel mit Nachfolger François Hollande weit entfernt. Diese Beziehung ist noch ausbaufähig. Dagegen ist es um die Achse "Berlin - Paris", den alljährlichen Galerienaustausch, bestens bestellt. Er läuft im vierten Jahr, am Wochenende war der Startschuss in Berlin, nächste Woche an der Seine, immerhin 16 Galerien und 60 Künstler sind dabei, weniger allerdings als noch im letzten Jahr. Wie auch beim Gallery Weekend hat jeder sein Programm, einen roten Faden, eine bindende Klammer gibt's nicht, muss auch nicht sein, vorausgesetzt die Qualität der Werke stimmt. Kernthemen sind dennoch auszumachen: Es geht viel um Material, Fragen an die Malerei und die künstlerische "Sicherung" von Wirklichkeit. Wie kann man sie dokumentieren? Ganz unterschiedliche Galerien nehmen teil, von Klemm's über Campagne Premiere bis Mehdi Chouakri.

Das Mischen unterschiedlicher Programme, auch Historisches mit Gegenwartskunst, sei gerade das Schöne, so der Galerist Mehdie Chouakri. Bei ihm schlägt der Galerientausch tatsächlich tolle Funken: Wenn etwa der verknüllte Flokati von John M. Armleder in skurrilen Dialog tritt mit feinsten surrealistischen Drucken. Mehdi Chouakri schickt als Gegentausch Sylvie Fleury in die Pariser Galerie 1900-2000, die auf Klassische Moderne geeicht ist, - sie wird den Raum dort in eine Höhle mit weißem Fell verwandeln.

Auf ihre Kosten kommen diesmal Design-Fans. Neu dabei ist die Galerie Ulrich Fiedler in Kreuzberg. Schwere Holztische mit Leselampen stehen dort, man kann sich die Aktenberge durchaus fantasieren, die einmal darauf gestapelt wurden. Daneben quadratische Regale und diverse Stühle mit feinem Geflecht der Sitzfläche, nach wie vor werthaltige, zeitlose Klassiker, obgleich sie aus dem Jahr 1951 stammen. Ihnen ist die Patina der Geschichte eingeschrieben. In der entleerten Galerie entwickeln sie eine unglaubliche Präsenz. Als Indien im Sommer 1947 von den Briten in die Selbstständigkeit entlassen wurde, brauchte man eine neue Hauptstadt, Chandigarh sollte sie heißen, nur neu "eingerichtet" musste sie werden. Nach einem Hin und Her wurde Le Corbusier berufen, der städtebaulich eine "Carte blanche" erhielt. Chandigarh wurde eins seiner größten Projekte mit dem Bau von Schulen, Restaurants, Wohnhäusern und Hotels, sein Bruder Pierre Jeanneret entwarf eben dies Interieur. Noch heute ist die Stadt Pilgerstätte für Architekturfans. Jeanneret wird in der Pariser Galerie Jousse Entreprise vertreten, Ulrich Fiedler sendet Stahlrohrmöbel der Bauhauskünstler Marcel Breuer und Mies van der Rohe an die Seine. Indien in Berlin, Berlin in Paris. Manchmal ist die Welt eben klein.

Informationen zu den Galerien und Öffnungszeiten: www.Berlin-Paris.Fr