Personalien

Kudammbühnen bekommen erstmals einen Geschäftsführer

Neue Zeiten an den Kudammbühnen: Zum ersten Mal in der Geschichte des Privattheaters wird es einen Geschäftsführer geben.

Zum 1. Juli übernimmt der 58-jährige Thomas von Stenglin diesen Posten, wie die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm gestern mitteilten. Bislang war es in diesem Familienbetrieb so, dass der Direktor sowohl für die künstlerischen als auch die kaufmännischen Belange in Personalunion zuständig war.

Das hat in den fetten Jahren gut funktioniert, aber seit einiger Zeit ist die Lage für die Boulevardtheater schwieriger geworden. Die Zukunft des Kudamm-Karrees, dort sind die beiden Bühnen samt Werkstätten untergebracht, ist unklar. Verschiedene Investoren wollten das Gebäude sanieren oder abreißen, der derzeitige Besitzer Ballymore sucht nach einem finanzkräftigen Partner, die Umbaupläne liegen offenbar auf Eis. Zu den Problemen mit der Immobilie kommt aus Sicht von Martin Woelffer, der den Direktorenposten 2004 von seinem Vater übernahm, der ruinöse, weil durch Subventionen verzerrte Wettbewerb auf dem Theaterkartenmarkt. Die Kudammbühnen verkaufen zwar die meisten Tickets aller Berliner Sprechtheater, aber der Gewinn hält sich trotzdem in Grenzen. Die wirtschaftliche Lage des Boulevardtheaters gilt als schwierig.

Die "Ertragssituation verbessern und strukturelle Veränderungen vorbereiten", so beschreibt Martin Woelffer die Aufgaben des neuen Geschäftsführers. Thomas von Stenglin war bis vor kurzem Geschäftsführer der Spielbank Wiesbaden, davor arbeitete der studierte Agrarökonom bei verschiedenen Banken. Der Betrieb "soll wieder Gewinn machen, damit die Zukunft gesichert ist", sagt Woelffer, der sich künftig verstärkt um die künstlerischen Belange des Hauses kümmern will: "Ich möchte mich auf das konzentrieren, was ich gut kann." Die Doppelfunktion als künstlerischer und kaufmännischer Leiter habe ihn in den vergangenen Jahren sehr belastet.

Die Einstellung eines Geschäftsführers hatte auch ein Gutachten vorgeschlagen, dass Woelffer in Auftrag gegeben hatte. Finanziell kann er sich den neuen Mitarbeiter leisten, denn wegen der schwierigen Lage der Unterhaltungstheater in Berlin hatten CDU und SPD im Rahmen der Beratungen zum Doppelhaushalt beschlossen, Schlossparktheater und Kudammbühnen mit jeweils 230.000 Euro jährlich zu unterstützen.